PolitikPla.net

Einstellungen
Foren
Letzte Beiträge
Gehe zum ersten neuen Beitrag Deutsch ins GG - was...
Gestern 23:03 Uhr von Isegrim Antworten: 8
Gehe zum ersten neuen Beitrag Deutsche Polizei...
Gestern 22:16 Uhr von Jasbandu Antworten: 27
Gehe zum ersten neuen Beitrag Grenzkontrollen zur...
Gestern 20:50 Uhr von DREICH Antworten: 13
Gehe zum ersten neuen Beitrag Obama nach der Wahl
Gestern 20:29 Uhr von DREICH Antworten: 4
Gehe zum ersten neuen Beitrag Neueröffnung der...
Gestern 20:16 Uhr von susenn Antworten: 7.673
Sonstiges


Zurück   PolitikPla.net > Wissenschaft > Wirtschaft/Finanzen

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
Alt 04. Jun 2008, 15:11 Uhr   #1 (Permalink)
Der Unschlüssige
Senior Member
 
Benutzerbild von Der Unschlüssige
 
Registriert seit: Jun 2008
Ort: Berlin
Beiträge: 106
Standard Erwirtschaftung von Kapital und seine Probleme

@blues:

Das dumme ist nur, dass Geld erstmal erwirtschaftet werden muss, bevor man es verteilen kann. Und wenn man denen, die Arbeitsplätze schaffen würden mit ihrem Geld, es ihnen aus der Tasche zieht über Steuern, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Arbeitslosigkeit entsprechend hoch ist.

Ist das sozial? Ist es wirklich sozial, wenn man Leute für Nichtstun bezahlt, anstatt das Geld bei denen zu lassen, die dafür Arbeitsplätze schaffen würden?

Würde das Programm der Linken ("Freibier für alle!") umgesetzt, dann würde sich in Windeseile die Arbeitslosenzahl verdoppeln. Im Sozialismus kann man eben leider nur Armut "gerecht" verteilen, aber keinen Wohlstand.
Der Unschlüssige ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 15:38 Uhr   #2 (Permalink)
Gaucho
Senior Member
 
Registriert seit: Apr 2008
Beiträge: 833
Standard

Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige;
Und wenn man denen, die Arbeitsplätze schaffen würden mit ihrem Geld, es ihnen aus der Tasche zieht über Steuern, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Arbeitslosigkeit entsprechend hoch ist.
Ist es wirklich sozial, wenn man Leute für Nichtstun bezahlt, anstatt das Geld bei denen zu lassen, die dafür Arbeitsplätze schaffen würden?
Radio Eriwan: Im Prinzip nein, nur schaffen die erfahrungsgemäß damit keine Arbeitsplätze.
Gaucho ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 15:51 Uhr   #3 (Permalink)
Der Unschlüssige
Senior Member
 
Benutzerbild von Der Unschlüssige
 
Registriert seit: Jun 2008
Ort: Berlin
Beiträge: 106
Standard

Hierzulande hat man ihnen ja auch noch nie wirklich die Chance dazu gegeben. In England hats geklappt: Nachdem Thatcher fertig war, war die Arbeitslosigkeit deutlich unter 5% gesunken.

Damit keine Missverständnisse aufkommen, ich bin nicht der Meinung, dass es generell keine Umverteilung geben sollte. Sozialsysteme sind eine bedeutende Errungenschaft. Und es muss ja nicht gleich so arg und so ideologisch zugehen, wie bei Thatcher. Aber meiner Meinung nach ist es im Zweifelsfall "sozialer", wenn Menschen für Arbeit bezahlt werden, anstatt für Nichtstun.

Und ich denke, dass der linke Mainstream hierzulande ein paar grundlegende Zusammenhänge nicht versteht. Jeder Gymnasiast kennt Marx, aber niemand hat auch nur annähernd eine Ahnung, wie Wirtschaft funktioniert: Geld kommt von "den Reichen", so wie Strom aus der Steckdose. Aber um Geld zu verteilen, muss man es vorher jemandem über Steuern wegnehmen, und dort fehlt es dann, bzw. es wird deswegen nicht für Investitionen benutzt werden können, die ggf. Arbeitsplätze schaffen. Und oh Wunder, es gibt einen Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen. Nicht lachen, die Linke sieht das nicht so.

Geändert von Der Unschlüssige (04. Jun 2008 um 15:55 Uhr Uhr).
Der Unschlüssige ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 16:39 Uhr   #4 (Permalink)
DreadfulGreat
Fan of W.Hofer_Clan
 
Benutzerbild von DreadfulGreat
 
Registriert seit: Jan 2008
Ort: Hofheim Ts.
Beiträge: 1.099
Standard

Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige Beitrag anzeigen
ein paar grundlegende Zusammenhänge (...) Jeder Gymnasiast kennt Marx, aber niemand hat auch nur annähernd eine Ahnung, wie Wirtschaft funktioniert: Geld kommt von "den Reichen", so wie Strom aus der Steckdose.
Also die Bücher, die ich von Marx gelesen habe, erklären *haarklein*, wie Geld zu Kapital wird und wie Mechanismen im Produktionsverhältnis beschaffen sein müssen, um aus Geld mehr Geld zu machen. Von "Steckdosen" ist da übrigens keine Rede. Auch ist mir kein Bundesland bekannt, das in seinen Gymnasien Marx-Schulungen abhalten lässt.
Irgendwie scheinst du sich verrannt zu haben .

Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige Beitrag anzeigen
Aber um Geld zu verteilen, muss man es vorher jemandem über Steuern wegnehmen, und dort fehlt es dann, bzw. es wird deswegen nicht für Investitionen benutzt werden können, die ggf. Arbeitsplätze schaffen.
Einfettung von mir.
Aber wie denn nun? Steuern verhindern Investitionen? Und Arbeitsplätze? Ich kenne das so, dass Steuern auf Gewinne gezahlt werden. Und die Kosten für alles (Maschinen Fuhrpark Gehälter/Löhne) den Gewinn schmälern und daher Steuern mindern. Es soll sogar (vereinzelt) zu Subventionen gekommen sein, wenn eine geplante Industrieansiedlung nicht dort, sondern hier vorgenommen wurde....


Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige Beitrag anzeigen
Und oh Wunder, es gibt einen Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen. Nicht lachen, die Linke sieht das nicht so.
Wenn du mal genau hinschaust, gibt es tatsächlich keinen Zusammenhang: Unabhängig von den Einnahmen werden die Ausgaben geplant, da sich der Staat bei seinen Vorhaben eben gerade nicht von den momentanen Einnahmen abhängig machen will. Nicht lachen: Das Ergebnis heißt dann Staatsverschuldung. Bin aber unschlüssig, ob ich das Thema vertiefen soll.


DG
__________________
Strahlfront. Muß sein!

„Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“
Chlodwig Poth
DreadfulGreat ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 17:44 Uhr   #5 (Permalink)
Der Unschlüssige
Senior Member
 
Benutzerbild von Der Unschlüssige
 
Registriert seit: Jun 2008
Ort: Berlin
Beiträge: 106
Standard

Erstmal möchte ich dir für deinen sachlichen Beitrag danken. Das ist man auf vielen Internet-Foren nicht gewöhnt. Und ich gebe gerne zu, dass mein Beitrag recht polemisch war. Aber ich werde gerne versuchen, ebenso sachlich auf deine Aussagen einzugehen, wie du auf meine.

Zitat:
Zitat von DreadfulGreat Beitrag anzeigen
Also die Bücher, die ich von Marx gelesen habe, erklären *haarklein*, wie Geld zu Kapital wird und wie Mechanismen im Produktionsverhältnis beschaffen sein müssen, um aus Geld mehr Geld zu machen. Von "Steckdosen" ist da übrigens keine Rede. Auch ist mir kein Bundesland bekannt, das in seinen Gymnasien Marx-Schulungen abhalten lässt.
Irgendwie scheinst du sich verrannt zu haben .
Da hast du recht. Die Aussage, dass "jeder Gymnasiast Marx kennt", ist eindeutig falsch. Ich hätte sagen sollen, jeder Gymnasiast kenn die politische Bedeutung von Marx, die Soziale Frage und wird gemeinhin bombardiert mit Kapitalismuskritik und Armutsduselei (die sicher einen angemessenen Platz verdient), ohne dabei von wirtschaftlichen Zusammenhängen viel Ahnung zu haben.

Das hat dann zur Folge, dass eine breite Mehrheit ein stark ausgeprägtes moralisches Bewusstsein entwickelt, das Mitleid für die angeblich "Armen" ebenso einschließt, wie das Feindbild Kapitalismus, was weder im Verhältnis steht zu der objektiv vorhandenen Armut in diesem Land heute, noch dem kapitalistischen System, dessen Funktionieren Vorraussetzung für Wohlstand ist, gerecht wird (bei aller Kritikwürdigkeit einzelner Auswüchse). Und schwupps, schon haben wir einen linken Mainstream, der aus Unkenntnis Wachstum und Wohlstand zugunsten einer "Robin-Hood-Mentalität" opfert.

Zugegeben, das ist immer noch etwas polemisch und ich will gerne zugeben, dass diese Beobachtungen nicht repräsentativ sind. Aber zumindest hier in Berlin deckt sich diese Beobachtung mit meinen Erfahrungen: Es ist einfach in, links zu sein, Kapitalismus für den Inbegriff allen Übels zu halten und dabei auch noch stolz darauf zu sein, zwar von Kritik eine Ahnung zu haben, aber völlig unfähig zu sein, diese Kritik kritisch zu hinterfragen, weil man von dem Gegenstand der Kritik keine Ahnung hat.

Insofern bitte ich um Entschuldigung, wenn ein klein wenig unsachliche Polemik in meinem Beitrag mitschwingt.

Zitat:
Einfettung von mir.
Aber wie denn nun? Steuern verhindern Investitionen? Und Arbeitsplätze? Ich kenne das so, dass Steuern auf Gewinne gezahlt werden. Und die Kosten für alles (Maschinen Fuhrpark Gehälter/Löhne) den Gewinn schmälern und daher Steuern mindern. Es soll sogar (vereinzelt) zu Subventionen gekommen sein, wenn eine geplante Industrieansiedlung nicht dort, sondern hier vorgenommen wurde....
Du scheinst zu übersehen, dass es nicht nur Steuern auf Gewinne gibt. Es gibt so viele Steuern und Sozialabgaben, dass selbst Fachleute leicht den Überblick verlieren. Angefangen mit Einkommenssteuer über "Reichensteuer" und Erbschaftssteuer, bis hin zu Mehrwertsteuer ... etc pp. Eine ganz erhebliche Rolle spielen hierbei die Lohnnebenkosten. Manche davon verzerren den Markt mehr als andere, ebenso wie Subventionen, was einen Effizienzverlust zur Folge hat.

Und ich glaube, man muss kein Rakentenwissenschaftler sein um zu begreifen, dass wenn man jemandem, der ein Unternehmen führt und es gegebenenfalls erweitern will, wozu auch das Einstellen neuer Arbeitnehmer gehört, Geld wegnimmt, er weniger übrig hat, um es zu diesem Zwecke zu benutzen. Ergo, weniger Neueinstellungen, weniger erwirtschaftete Produkte und Dienstleistungen, die dem gesamtgesellschaftlichen Wohlstand zugute kommen.

Wenn man dieses Geld nun nimmt, um einerseits Leute fürs Nichtstun zu bezahlen, bzw. eine Bürokratie zur Verwaltung dieser Gelder zu finanzieren, dann geht ein gesamtgesellschaftlicher Wohlstandsverlust damit einher. Denn wenn ein Sozialhilfeempfänger dasselbe Geld von einem Arbeitgeber erhalten würde, dann stünde der Gesellschaft noch die dafür geleistete Arbeit zur Verfügung. So aber wird diese Leistung nicht erbracht und die gesamte Gesellschaft erwirtschaftet weniger.

Beispiel: Ein Imbissbudenbesitzer namens Burhan würde gerne einen Kellner einstellen. Wegen der staatlichen Steuern und Abgaben zur Finanzierung der Sozialhilfe hat er aber kein Geld dafür übrig und muss also darauf verzichten. Dieses Geld wird staatlich umverteilt, es werden davon einerseits Bürokraten im Arbeitsamt bezahlt und ein größerer Teil bekommt Klaus als Arbeitslosengeld. Wäre es nicht die bessere Lösung, wenn man dieses Geld lieber dem Budenbesitzer Burhan lassen würde, der dann Klaus als Kellner einstellt? In diesem Falle nämlich hätte Klaus nicht nur ebenfalls ein Auskommen, sondern auch das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, und die Kunden würden zusätzlich in den Genuss von Klaus' Dienstleistungen kommen. Wenn Klaus dasselbe Geld aber fürs Nichtstun bekommt, so ist die Gesellschaft um diese Dienstleistung ärmer und also insgesamt weniger wohlhabend.

Das gleiche gilt für Burhans und Klaus' Kunden: Wenn sie weniger ihres Lohnes für Steuern abdrücken würden, dann würden sie häufiger bei Burhan einkaufen, damit Lohnerhöhungen für Klaus wahrscheinlicher machen, häufiger in den Genuss von Burhans und Klaus' Dienstleistungen kommen und somit eine höhere Lebensqualität genießen und Burhan würde eher weitere Arbeitslose einstellen können.

Ich gebe zu, dass das eine sehr vereinfachtes Modell ist und in der Praxis dem viele andere Probleme im Weg stehen. Aber ich denke, das Grundprinzip konnte ich verdeutlichen, und man wird nicht bestreiten können, dass es eine gewichtige Rolle spielt -- die von wirtschaftslinker Seite gerne übersehen wird.

Zitat:
Wenn du mal genau hinschaust, gibt es tatsächlich keinen Zusammenhang: Unabhängig von den Einnahmen werden die Ausgaben geplant, da sich der Staat bei seinen Vorhaben eben gerade nicht von den momentanen Einnahmen abhängig machen will. Nicht lachen: Das Ergebnis heißt dann Staatsverschuldung. Bin aber unschlüssig, ob ich das Thema vertiefen soll.
Uhm ja, da stimme ich dir absolut zu. Und das war auch genau der Punkt, den ich meine: Eben weil so viele Leute immer gleich nach dem Staat schreien, wenn es materielle Probleme, oder auch nur die Angst von Statusverlust gibt, und dabei völlig übersehen, dass der Staat das Geld ja nicht beliebig druckt, sondern auf Einnahmen einer funktionierenden Wirtschaft angewiesen ist, um Umverteilungsleistungen anzubieten, genau deswegen haben wir eine so horrende Staatsverschuldung.

Und das ist mein Kritikpunkt an der Linken: So schön es auch wäre, wenn man alles gerecht verteilen könnte (was genau "gerecht" ist, darüber kann man freilich immer noch streiten), es ist schlicht nicht möglich, ohne eine grandiose zusätzliche Staatsverschuldung. Und ich bin der Meinung, eine solche kann nicht in unserem Interesse liegen.

Geändert von Der Unschlüssige (04. Jun 2008 um 17:54 Uhr Uhr).
Der Unschlüssige ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 18:56 Uhr   #6 (Permalink)
DreadfulGreat
Fan of W.Hofer_Clan
 
Benutzerbild von DreadfulGreat
 
Registriert seit: Jan 2008
Ort: Hofheim Ts.
Beiträge: 1.099
Standard

Wir sollten uns mal auf eine gemeinsame Basis einigen: Wenn ich über Investitionen und Gewinne spreche, meine ich keine Frisösen sondern Kapitalgesellschaften. Diese zahlen keine Einkommenssteuer.

Trotzdem taugt dein Burhan als Beispiel.
Der neue Kellner Klaus kommt nur dann, wenn durch seine Tätigkeit mehr Geld in der Kasse bleibt als ohne ihn. Das hat aber mit nichts Besteuerung zu tun, sondern damit, wie erfolgreich Burhan seinen Laden führt. Möglicherweise sagt auch Burhans Steuerberater, dass es für ihn günstiger ist, eine Spülmaschine anzuschaffen, als Klaus zu beschäftigen, weil das die Produktivität stärker steigert und/oder weniger kostet. Steuerlich mindernd sind Personalkosten wie Sachkosten.

Ich möchte nicht bestreiten, dass gar keine Steuern zu zahlen für Unternehmen sehr attraktiv ist. Deswegen tun es die meisten DAX-Unternehmen ja auch nicht - wenigstens nicht in Deutschland. Das ist aber Finanzoptimierung und hat mit unserem Ausgangsproblem nichts zu tun, das du in folgende Gleichung packst:
'Arbeitslose werden fürs Nichtstun bezahlt' - 'hätten die Unternehmen weniger Steuern zu zahlen, hätten sie mehr Geld und dann würden sie mehr Leute einstellen'

Das stimmt einfach hinten und vorne nicht: Arbeitslose wurden bis Schröder als industrielle Reservearmee gebraucht und gehalten, damit den Unternehmen je nach Geschäftsgang ein Pool von gut ausgebildeten Leuten zur Verfügung stand. Seit sich herauskristallisiert, dass man einen 8000er+ Dax auch ohne Vollbeschäftigung hinkriegt, ist auf ein Viertel der Bevölkerung geschissen, das in die Grund"sicherung" entlassen wird. Was auch immer gut als Abschreckung und Lohndumping für die taugt, die noch einen Arbeitsplatz haben, der sie ernährt. Du siehst, die HartIV-ler erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Funktion.

Einstellungen gibt es bei Unternehmen nur, wenn diese Einstellungen versprechen, profitabel zu sein - siehe Burhan. Auch Unternehmen, die im Geld schwimmen, bauen kräftig Personal ab - warum wohl?

Mit Steuerlast hat das alles also wenig bis gar nichts zu tun...


DG
__________________
Strahlfront. Muß sein!

„Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“
Chlodwig Poth
DreadfulGreat ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 19:41 Uhr   #7 (Permalink)
Der Unschlüssige
Senior Member
 
Benutzerbild von Der Unschlüssige
 
Registriert seit: Jun 2008
Ort: Berlin
Beiträge: 106
Standard

Zitat:
Zitat von DreadfulGreat Beitrag anzeigen
Wir sollten uns mal auf eine gemeinsame Basis einigen: Wenn ich über Investitionen und Gewinne spreche, meine ich keine Frisösen sondern Kapitalgesellschaften. Diese zahlen keine Einkommenssteuer.
Nun gut, einigen wir uns auf eine Basis: Kapitalgesellschaften sind trotz allem doch nur eine Randerscheinung unserer Wirtschaft, die ganz überwiegend vom mittelständischen Gewerbe getragen wird (und die im übrigen ohne deren Wirtschaftsleistung kaum bestehen könnten). Mir geht es bei meiner Kritik an Steuern und Abgaben auch nicht so sehr um Besteuerung von Kapitaleinkünften, sondern um die Steuer- und Abgabenlast, die genau diese tragende Stütze unserer Gesellschaft trifft. Unter den Lohnnebenkosten, der Einkommenssteuer und der Mehrwertsteuer (aber auch den Arbeitsschutzgesetzen) beispielsweise leiden ja nicht direkt die Kapitalgesellschaften, sondern in erster Linie der Mittelstand, und damit also Burhan, Klaus und wir alle.

Zitat:
Trotzdem taugt dein Burhan als Beispiel.
Der neue Kellner Klaus kommt nur dann, wenn durch seine Tätigkeit mehr Geld in der Kasse bleibt als ohne ihn. Das hat aber mit nichts Besteuerung zu tun, sondern damit, wie erfolgreich Burhan seinen Laden führt.
Das ist richtig. Und wenn Burhan ein großer Schlamper ist, dann wird er gegen Cem vom Nachbarimbiss nicht lange bestehen können, seine Kunden an ihn verlieren und pleite gehen. Von dem Gewinnzuwachs kann Cem dann an seiner Statt Klaus einstellen.

Jedenfalls werden im Zweifelsfall beide, sowohl Burhan als auch Cem, aus wohlverstandenem Eigeninteresse ihr Geld besser und effizienter verwalten, als eine staatliche Planungsstelle, deren Mitarbeiter erstens weniger persönliches Interesse an effizienter Ausgabenpolitik haben, da sie die Folgen von Fehlentscheidungen nicht direkt zu spüren bekommen, zweitens nicht alle notwendigen Informationen so gut kennen und drittens sowieso vor allem ein Interesse daran haben, für sich selbst als Beamte das größte Stück herauszuschlagen.

Zitat:
Möglicherweise sagt auch Burhans Steuerberater, dass es für ihn günstiger ist, eine Spülmaschine anzuschaffen, als Klaus zu beschäftigen, weil das die Produktivität stärker steigert und/oder weniger kostet. Steuerlich mindernd sind Personalkosten wie Sachkosten.
Was du übersiehst, ist dass mit diesem Produktivitätsgewinn durch die Spülmaschine auch ein Wohlstandszuwachs nicht nur für Burhan, sondern auch für Klaus und Cem einhergeht: Dank der Maschine kann Burhan billiger produzieren und seinen Döner folglich billiger anbieten (was er auch tun wird, solange Cem nebenan seinen Döner teurer anbietet, weil ihm das einen Konkurrenzvorteil verschafft). Seine Kunden (z.B. Klaus) geben also weniger Geld für Döner aus, haben also einen Wohlstandszuwachs, weil sie mehr Leistung und Ware für weniger Geld erhalten, und behalten mehr in der eigenen Tasche. Dieses Geld wiederum können sie nun für andere Waren und Dienstleistungen ausgeben.

Angenommen, Burhan hat zunächst den Döner für 2 Euro verkauft, aber dank der Spülmaschine kann er es sich leisten, ihn für 1,50 Euro anzubieten. Klaus kauft pro Monat jeden Tag einen Döner, hat also zuvor 60 Euro im Monat an Burhan bezahlt. Dank der Maschine muss Klaus jetzt nur noch 45 Euro ausgeben und hat 15 Euro übrig. Die benutzt er nun, um einmal im Monat zum Frisör zu gehen, was er sich vorher nicht leisten konnte. Das wiederum hat zur Folge, dass der Frisörmeister Fritz nun eine zusätzliche Frisöse, Mandy, einstellen kann, die nicht länger Hartz IV beziehen muss ...

So mag es vielleicht sein, dass Klaus zwar nicht bei Burhan eingestellt wird, wenn der sich erstmal eine Spülmaschine kauft. Aber wenn Burhan dank der Maschine, die sich sein Konkurrent Cem nicht leisten kann, so viel Gewinn macht, dass sich die Maschine amortisiert hat, dann wird er Klaus einstellen. Oder wenn nicht, dann verbleiben vielen von Burhans Kunden durch die Ersparnis genug Mittel in der eigenen Tasche, um damit Klaus zu beschäftigen.

Du siehst, der Mythos von den angeblich Arbeitsplatzvernichtenden Maschinen, der bereits im 19. Jahrhundert aufkam, hält absolut nicht stand, wenn man mal ein wenig drüber nachdenkt. Denn Maschinen erhöhen Produktivität, die sich in niedrigeren Preisen niederschlägt und somit den allgemeinen Wohlstand erhöht. Und zwar nicht nur für die Besitzer der Maschinen, sondern für wirklich jeden Konsumenten (sofern kein Marktversagen vorliegt, wie etwa Monopole, Externalitäten u.ä.). Es ist ganz simpel: Je mehr Leistung pro Geld erwirtschaftet wird, desto mehr hat die Gesellschaft davon.

Das gehört zum kleinen Einmaleins der Wirtschaft, und genau das meinte ich, als ich davon sprach, dass ein Großteil der Bevölkerung von Wirtschaft keine Ahnung hat.

Zitat:
Ich möchte nicht bestreiten, dass gar keine Steuern zu zahlen für Unternehmen sehr attraktiv ist. Deswegen tun es die meisten DAX-Unternehmen ja auch nicht - wenigstens nicht in Deutschland. Das ist aber Finanzoptimierung und hat mit unserem Ausgangsproblem nichts zu tun, das du in folgende Gleichung packst:
'Arbeitslose werden fürs Nichtstun bezahlt' - 'hätten die Unternehmen weniger Steuern zu zahlen, hätten sie mehr Geld und dann würden sie mehr Leute einstellen'
Ich glaube, ich habe zur Genüge dargelegt, inwiefern erstens unsere Wirtschaft nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil von Kapitalgesellschaften und Spekulanten getragen wird, und zweitens deine Auffassung von "Finanzoptimierung" zu kurz gedacht ist: Denn wenn Unternehmen "Finanzoptimierung" betreiben, dann kommt das uns allen zugute, weil sie unter Bedingungen eines funktionierenden Marktes (also bei Konkurrenz) ihre Gewinne an die Verbraucher weitergeben werden, die wiederum dadurch mehr Geld in der Tasche haben, um es sinnvoll einzusetzen (etwa für den Konsum, was ihre Lebensqualität erhöht und indirekt andere Unternehmen befägt, Arbeitsplätze zu schaffen, bzw. direkt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze).

Das es zuweilen Fälle von Marktversagen gibt, wie etwa Absprachen, Monopole und Kartelle, die den Konkurrenzdruck aushebeln, oder auch Steuerflucht, sowie marktfeindliche Bevorteilung einzelner Unternehmen durch den Staat (wie etwa durch absichtliche Steuervorteile, Subventionen etc) durch Lobbyarbeit oder gar Korruption, die wiederum die positiven Auswirkungen des Marktes für den Verbraucher zunichte machen und Ineffizient herbeiführen, ist absolut richtig. Und dagegen sollte auch etwas getan werden. Aber all dies sind keine Beispiele dafür, wie "der Markt" funktioniert, sondern gerade das Gegenteil, nämlich Beispiele dafür, wo der Kapitalismus wegen Staatsinterventionen versagt.

Zitat:
Das stimmt einfach hinten und vorne nicht: Arbeitslose wurden bis Schröder als industrielle Reservearmee gebraucht und gehalten, damit den Unternehmen je nach Geschäftsgang ein Pool von gut ausgebildeten Leuten zur Verfügung stand. Seit sich herauskristallisiert, dass man einen 8000er+ Dax auch ohne Vollbeschäftigung hinkriegt, ist auf ein Viertel der Bevölkerung geschissen, das in die Grund"sicherung" entlassen wird. Was auch immer gut als Abschreckung und Lohndumping für die taugt, die noch einen Arbeitsplatz haben, der sie ernährt. Du siehst, die HartIV-ler erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Funktion.
Und was ist deine Lösung? Burhan, Cem, Fritz und Klaus die Steuern noch weiter zu erhöhen, um die Arbeitslosigkeit zu finanzieren, Arbeitslosigkeit profitabler zu machen als Arbeit und damit Leute zum Sozialhilfemissbrauch einzuladen, während man gleichzeitig alle der Mittel beraubt, die sie bräuchten, um neue Leute einzustellen?

Zitat:
Mit Steuerlast hat das alles also wenig bis gar nichts zu tun...
Red mal mit einem Mittelständler wie Burhan oder Fritz und versuch ihm zu erklären, dass die Steuer- und Abgabenlast ja überhaupt nichts mit seiner Entscheidung zu tun hat, ob er jemanden einstellt, oder nicht.
Der Unschlüssige ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 20:00 Uhr   #8 (Permalink)
Apollon7
Senior Member
 
Benutzerbild von Apollon7
 
Registriert seit: Jan 2008
Beiträge: 672
Standard

@ Amanda

Könntest Du die themenfremden Beiträge ausgliedern?



@ Der Unschlüssige

DreadfulGreat wird sicher ausgiebig antworten.

Ich möchte nur anmerken:

- die hiesige Wirtschaft wird recht stark von Kapitalgesellschaften getragen (GmbHs -> viele Mittelständler & AGs -> von diesen sind nicht selten Mittelständler abhängig)


- die Mwst. ist ein durchlaufender Posten; sie trifft den Endverbraucher
Apollon7 ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 04. Jun 2008, 23:49 Uhr   #9 (Permalink)
dichterDenker
Profillos
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 1.053
Standard

Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige
Und ich denke, dass der linke Mainstream hierzulande ein paar grundlegende Zusammenhänge nicht versteht. Jeder Gymnasiast kennt Marx, aber niemand hat auch nur annähernd eine Ahnung, wie Wirtschaft funktioniert: Geld kommt von "den Reichen", so wie Strom aus der Steckdose.
Wirklich?
Das Geld kommt im Schnitt nicht von den Reichen, sondern geht an sie, sonst wären sie ja nicht reich.
Und Geld und Wirtschaft sind zwei paar Stiefel. Wirtschaft ist im eigentlichen Sinne dazu da Wohlstand(-sgüter) (und natürlich die Grundversorgung) zu schaffen, Geld kann man aber auch ganz anders verdienen (Z.B. indem man am Aktienmarkt auf den Zusammenbruch einer großen Firma spekuliert).

Zitat:
Denn wenn Unternehmen "Finanzoptimierung" betreiben, dann kommt das uns allen zugute, weil sie unter Bedingungen eines funktionierenden Marktes (also bei Konkurrenz) ihre Gewinne an die Verbraucher weitergeben werden, die wiederum dadurch mehr Geld in der Tasche haben, um es sinnvoll einzusetzen (etwa für den Konsum, was ihre Lebensqualität erhöht und indirekt andere Unternehmen befägt, Arbeitsplätze zu schaffen, bzw. direkt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze).
Tut mir leid, aber das ist bloße Theorie.
Es gibt für ein Unternehmen, das es sich erlauben kann keine Steuern zu zahlen, unzählige Möglichkeiten, dass Geld wieder auszulegen ohne das der Verbraucher davon irgendwas sieht. Im Ausland, für Werbung, höhere Gehälter für Manager, oder das Geld versandet in der Firmenbürokratie. Teilweise mag es sicher wieder dem Verbraucher zugute kommen, aber nur in bergleichsweise geringem Umfang. Würden sie dagegen Steuern zahlen, so wie jeder Mittelständler es auch muss, würde das zumindest mal die Mittelständler entlasten und das würde dann wirklich allen zugutekommen.

Zitat:
Je mehr Leistung pro Geld erwirtschaftet wird, desto mehr hat die Gesellschaft davon.
Leistung pro Geld - was soll das sein?

Zitat:
Ist das sozial? Ist es wirklich sozial, wenn man Leute für Nichtstun bezahlt, anstatt das Geld bei denen zu lassen, die dafür Arbeitsplätze schaffen würden?
Natürlich nicht.
Deshalb bin ich ja schon lang dafür, dass jedem Reichen der nichtstut oder gar Arbeitsplätze abbaut sein Geld weggenommen wird und alles dann mir gegeben wird, damit ich damit Arbeitsplätze aufbaue.

edit: Und ich werd auch nur ganz wenig behalten, versprochen...
dichterDenker ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 05. Jun 2008, 09:41 Uhr   #10 (Permalink)
DreadfulGreat
Fan of W.Hofer_Clan
 
Benutzerbild von DreadfulGreat
 
Registriert seit: Jan 2008
Ort: Hofheim Ts.
Beiträge: 1.099
Standard

Zitat:
Zitat von Apollon7 Beitrag anzeigen
Ich möchte nur anmerken:

- die hiesige Wirtschaft wird recht stark von Kapitalgesellschaften getragen (GmbHs -> viele Mittelständler & AGs -> von diesen sind nicht selten Mittelständler abhängig)
- die Mwst. ist ein durchlaufender Posten; sie trifft den Endverbraucher
Zustimmung.

Zitat:
Zitat von Apollon7 Beitrag anzeigen
DreadfulGreat wird sicher ausgiebig antworten.
Nö. Ich finde, du und DD haben das Notwendige entgegnet.


DG
__________________
Strahlfront. Muß sein!

„Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“
Chlodwig Poth
DreadfulGreat ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Antwort



Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
TrackBacks sind an
PingBacks sind an
RefBacks sind an


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 04:16 Uhr Uhr.

Kirsch designed by Andrew & Austin


Powered by vBulletin® Version 3.7.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2008, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 3.0.0