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Alt 09. Feb 2008, 19:23 Uhr   #1 (Permalink)
Siran
Don Quixote
 
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Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 3.531
Standard Wirtschaft an der Schule: Wie Musikunterricht ohne Dur und Moll

Ein Vergleich zwischen deutschen und englischen Lehrbüchern

von Robert Grözinger

Über eine Diskussion beim „Antibürokratieteam“ fand ich den „FAZ“-Artikel „Von Raffgier und Ausbeutung – Wie unsere Schulen Wirtschaft lehren“ von Stefan Theil. Seine wesentliche Aussage ist, dass in deutschen und französischen Schulbüchern der Kapitalismus und die freie Marktwirtschaft als etwas schlechtes und Staatsinterventionismus als etwas gutes dargestellt wird. Dagegen würden die amerikanische Schüler über Unternehmerpersönlichkeiten lernen, und etwa die Hälfte von ihnen würde ein Semester lang im 12. Schuljahr Wirtschaft belegen, „zumeist in Anlehnung an klassische Wirtschaftskunde“.

Ob letzteres stimmt, kann ich nicht beurteilen. Wenn der amerikanische Unterrichtsstoff aber dem Englands ähnelt, gibt es aus Sicht von Verfechtern der freien Marktwirtschaft auch hier viel zu bemängeln. Ich lebe in England und gebe gelegentlich Nachhilfeunterricht in Wirtschaft für Schüler der Sekundarstufe 2. Die Hauptthemen sind Marktversagen und Gründe für staatliche Intervention. Zum Ausgleich gibt es aber immerhin auch ein Unterkapitel über das Staatsversagen. Aber ich kann bestätigen, dass dieses Material um Längen besser ist als das, was ich aus Deutschland kenne.
weiterlesen

Fand ich ganz interessant, den Artikel, auch den in der FAZ zu dem Thema hatte ich gelesen. Nun hatte ich Wirtschaft in dem Sinn in der Schule nie, höchstens mal im Vorbeigehen im Rahmen der sozialen Frage oder so. Hat einer von euch Erfahrung damit und kann was dazu sagen?
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Alt 09. Feb 2008, 19:36 Uhr   #2 (Permalink)
MorganLeFay
milkaholic
 
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Registriert seit: Feb 2007
Ort: Dundee
Beiträge: 2.837
Standard

Ich habe ein Wirtschaftsabitur, insofern kann ich zum "regulären" Wrtschaftsunterricht wenig sagen.

Was ich - aus eigener Erfahrung und nicht repräsentativ - sagen kann, ist dass GB und Deutschland eine komplett andere Ausrichtung in der Vermittling von Wirtschaftthemen haben.

Wo in Deutschland fast philosophisch Theoriegebäude auseinandergenommen werden, wird in GB ein wesentlich praktischerer Ansatz bevorzugt.
Beides hat Stärken und Schwächen, wobei ich den britischen Ansatz zumindest für eingänglicher halte.
__________________
So when you're asked to fight a war that's over nothing, it's best to join the side that's going to win.
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Alt 09. Feb 2008, 20:08 Uhr   #3 (Permalink)
Wahnfried44
Member of W.Hofer_Clan
 
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Registriert seit: Dez 2007
Ort: In der Stadt, die Wissen schafft
Beiträge: 4.838
Standard

Zitat:
Zitat von MorganLeFay Beitrag anzeigen
Ich habe ein Wirtschaftsabitur, insofern kann ich zum "regulären" Wrtschaftsunterricht wenig sagen.
dito,
nur wenn ich an unsere Kinder mit normalem Abi und deren früheren, vollgepackten Stundenplan denke, stellt sich die Frage:

Welche Fächer sollten für das Fach Wirtschaft gekürzt werden?
__________________
der Wahrheit verpflichtet, der Provokation erlegen
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Alt 09. Feb 2008, 21:22 Uhr   #4 (Permalink)
Robroy
doin' fine
 
Benutzerbild von Robroy
 
Registriert seit: Feb 2007
Ort: Großraum Stuttgart
Beiträge: 441
Standard

Ich studiere ja Englisch und Gemeinschaftskunde auf Lehramt und war vergangenes Jahr 3 Monate im Schulpraxissemester. Die Eindrücke daraus und aus meiner eigenen Schulzeit decken sich durchaus mit dem, was in den Artikeln bei ef und FAZ geschildert wird. Dieser Absatz aus der FAZ bringt es denke ich recht gut auf den Punkt:
Zitat:
Wenn die deutschen Lehrpläne und Schulbücher eines auszeichnet, dann die extreme Gewichtung von Gruppeninteressen, sozialen Klassen und Arbeitskonflikt. Wirtschaftliches Handeln wird eingeordnet in das traditionelle sozialdemokratische Universum von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die in einem institutionalisierten Geflecht von Tarifverhandlung und Arbeitsrecht zueinanderstehen. Auch wenn einige Bücher Arbeitgeber und Arbeitnehmer ganz paritätisch und neutral mit ihren jeweiligen Interessenvertretungen darstellen - die Konzentration oder gar Reduktion auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen und deren Institutionalisierung ist kaum geeignet, wirtschaftliche Zusammenhänge und Anreize zu erklären. Anstatt mehr Verständnis dafür zu lernen, was den Bäcker dazu bewegt, mir morgens meine Brötchen zu backen, und wie zum Beispiel Steuern und Abgaben seine und meine Anreize ändern, werden Schüler durch die Konzentration auf Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Kategorien und den Sozialstaat früh im verteilungspolitischen Betrachten wirtschaftlichen Handelns sozialisiert.
Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET - Wie unsere Schulen Wirtschaft lehren: Von Raffgier und Ausbeutung
Man bemüht sich zwar immer um Neutralität der Darstellung der Themen, der gewählte Fokus ist aber kaum geeignet, ökonomische Zusammenhänge wirklich begreifbar zu machen. Es geben auch einige (angehenden) Gemeinschaftskundelehrer zu, dass sie bei allem, was Fragen der Ökonomie betrifft, sehr unsicher sind.

Zumindest bei uns in Baden-Württemberg gibt es jetzt die Möglichkeit, in der Oberstufe einen Wirtschaftskurs als Neigungsfach zu wählen. Ich habe in meinem Praxissemester auch dort einige Stunden hospitiert und ein paar Stunden selber gehalten: Probleme dieses Kurses:
1. Der wird auch von herkömmlichen Gemeinschaftskundelehrern unterrichtet. Derzeit gibt's für Interessierte noch entsprechende Fortbildungen, die weitere Finanzierung ist aber unklar.
2. Die Anordnung der Themen schien mir ziemlich durcheinander, nicht optimal für die Vermittlung eines grundlegenden Verständnisses. Der Eindruck mag allerdings täuschen, für einen umfassenden Einblick war meine Zeit da zu kurz.

Positiv daran ist in jedem Fall, dass Grundlagen ökonomischer Theorie unterrichtet werden - halt nur für diejenigen, die diesen Kurs wählen.

Ein Beispiel aus diesem Kurs (die waren zu Beginn der 12. Klasse gerade am Anfang des Kurses), wie gering ökonomisches Verständnis unter Schülern ausgeprägt ist: In einer Diskussion in der Klasse über den Emissionshandel in der EU meint ein Schüler sinngemäß: "Ja, so ist das im Kapitalismus, wenn man zahlt darf man die Umwelt verschmutzen" - das ist schon bitter und ziemlich platt, gäbe es doch aus ökonomischer Sicht viele interessante Diskussionen zum Thema der Internalisierung externer Kosten zu führen. Aber ich denke, im Zuge dieses Kurses haben die Schüler einige Möglichkeiten, dazuzulernen (kenne allerdings längst nicht den gesamten Lehrplan).
__________________
I’m sure this goes against everything you’ve been taught, but right and wrong do exist. Just because you don’t know what the right answer is – maybe there’s even no way you could know what the right answer is – doesn’t make your answer right or even okay. It’s much simpler than that. It’s just plain wrong.
(Gregory House - House M.D. - Three Stories)

Geändert von Robroy (09. Feb 2008 um 21:25 Uhr Uhr).
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Alt 12. Feb 2008, 15:53 Uhr   #5 (Permalink)
Deutscher Jäger
SCHLEMMER!!!!
 
Benutzerbild von Deutscher Jäger
 
Registriert seit: Mär 2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 1.189
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Warum wundert es mich gar nicht, dass so ein Artikel in der FAZ steht.....
__________________
“Religion is an insult to human dignity. With or without it, you’d have good people doing good things and evil people doing bad things, but for good people to do bad things, it takes religion.”
Steven Weinberg, Nobel Laureate in physics.
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Alt 13. Feb 2008, 09:28 Uhr   #6 (Permalink)
Siran
Don Quixote
 
Benutzerbild von Siran
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 3.531
Standard

Zitat:
Zitat von Deutscher Jäger Beitrag anzeigen
Warum wundert es mich gar nicht, dass so ein Artikel in der FAZ steht.....
Also der Anfangsartikel ist eigentlich ein Blog.
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Alt 17. Feb 2008, 09:21 Uhr   #7 (Permalink)
dichterDenker
Profillos
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 1.074
Standard

Hmm, wenn ich an meinen Wirtschaftsunterricht denke, dann fällt mir jetzt eigentlich in erster Linie ein, wie uns lang und breit erklärt wurde, dass es mit dem Euro garnicht teurer werden kann...

Ansonsten kann ich eigentlich nur das ...

Zitat:
Zitat von Robroy
Man bemüht sich zwar immer um Neutralität der Darstellung der Themen, der gewählte Fokus ist aber kaum geeignet, ökonomische Zusammenhänge wirklich begreifbar zu machen.
... bestätigen. Es wurde keinesfalls irgendwo erzählt, dass staatliche Eingriffe so toll sind oder ähnliches, eigentlich kamen garkeine Wertungen vor.
Allerdings kann ich auch nicht sagen, dass ich dort sonderlich viel gelernt habe (nunja, wenn mein Gedächtnis hier nicht einen Aussetzer hat garnichts)...
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