Der politische Dschihad ist gescheitert...
...zumindest in der ursprünglichen islamischen Welt.
Angeregt durch die Islamophobiediskussion endlagere ich einen mittellangen Text einfach mal in ein neues Thema aus, weil meiner Ansicht nach schon ein eigenes Thema.
Weshalb ist der politische Dschihad in der islamischen Welt gescheitert?
Der Islam hat ein Problem: Über Jahrhunderte dominierend und dem christlichen Abendland in beinahe jeder Beziehung (militärisch, Inovationen in Wissenschaft, politisch) meilenweit voraus, passierten zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert aus Sicht des Islam 2 große Katastrophen:
Die Kreuzzüge und der Mongolensturm. Auf einmal setzte es Niederlagen, die einstige Millionenstadt Bagdad vom Erdboden gefegt, damals einst mächtige und große Städte bis zum heutigen Tag in die Bedeutungslosigkeit verdammt.
Mit dem Imperialismus und der Kolonisierung weiter islamischer Gebiete dann die nächste Demütigung und damals begannen sich allerlei Gelehrte zu fragen, woran das liegen möge. Ihre Antwort bestand darin, zum "wahren Glauben" zurückzufinden und es entstanden allerlei Richtungen (u.a. der saudische Wahhabismus).
Kurz: Mit der Errichtung eines Gottesstaats, so die gängige Meinung, würde der Aufschwung von ganz allein wieder kommen und als religiöse Gemeinschaft würde man die Ungläubigen schon wieder hinauswerfen und zur alten Größe wieder aufsteigen.
Während des 20. Jahrhunderts stechen für mich dabei 2 große Ideologen der Islamisierung heraus: Ruhollah Chomeini und Sayyid Qutb (bis zu einem gewissen Punkt evtl. noch Hassan al-Banna). Begünstigt wurde beider Aufstieg durch korrupte Regime in ihren Heimatländern und beide stehen als große Sinnbilder und Identitätsfiguren in der gesamten islamischen Welt.
Chomeini hat dabei etwas getan, was die iranisch-schiitischen Kleriker noch nie getan hatten, seitdem die Schia dort die Staatsreligion stellt: Die Trennung zwischen Kaisertum/Monarchie und Schia in Frage gestellt und hinweggeworfen und lediglich die Initialzündung "Iranische Revolution" hat es geschafft, einen Gottesstaat zu errichten, der aber bis heute ein fragiles Gebilde bleibt und ausgerechnet im Iran ist die Zustimmung zum islamischen Gottesstaat am geringsten, zudem gilt der Iran innerhalb der arabischen Welt als "Sonderfall".
Würden morgen in der islamischen Welt freie Wahlen stattfinden, kämen mit ziemlicher Sicherheit in einem guten Teil davon die Islamisten an die Macht. In Ägypten, in Saudi-Arabien, vermutlich auch in Syrien.
Aber!
Wenn man sich mal anschaut, was tatsächlich passiert, wenn Islamisten/Dschihadis regieren oder das versuchen, so darf man eine einzige Niederlagenserie konstatieren. Das Ergebnis: Niederschmetternd.
3 Beispiele:
Algerien: Während der 90er die Wahlen gewonnen, um den Sieg gebracht, einen Bürgerkrieg ausgelöst, Hunderttausende Tote. Heutiger Rückhalt in der Bevölkerung: Null
Sudan: Osama beheimatet, vom Westen geschnitten und bombardiert. Heute: Hausarrest für den damals starken Islamistenführer, Rückkehr zur Militärdiktatur
Afghanistan: Taliban zwar noch aktiv, aber von der Macht vertrieben, das Land besetzt
Fazit: Alle dschihadistischen Versuche, zur Macht zu kommen, sind im sunnitischen Bereich auf der ganzen Linie gescheitert. Die Anführer sitzen in Höhlen im Niemandsland, die Bewegung ist zerstritten und zersplittert, der Rückhalt in den Bevölkerungen haben sie nie in einer Bandbreite erreicht, die auf lange Zeit erfolgversprechend gewesen wäre, die Aktionen haben dazu geführt, dass die Gegner/der Feind mehrere islamische Länder besetzt hat und es sieht momentan nicht danach aus, als sei außer willkürlichen Bombereien noch sonderlich viel zu erwarten.
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He whose face gives no light, shall never become a star
William Blake
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