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08. Jun 2008, 16:20
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#1 (Permalink)
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Member
Registriert seit: 04.06.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 87
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Was taugt Marxismus heute noch?
So, hier will ich mal eine kleine Polemik gegen diejenigen loslassen, die heute allen ernstes noch glauben, der Marxismus hätte irgendeinen Wert zur Analyse heutiger Politik:
Marxismus gehört in die Mottenkiste der Geschichte. Er hat keinerlei Wert mehr heute, da sich seine Grundannahmen allesamt als falsch erwiesen haben.
Erstens: Es gibt heute keinen Klassenkampf mehr. Das liegt daran, dass es keine Klassen mehr gibt und schon gar kein Klassenbewusstsein. Soziologen sprechen heute von "Schichten", vor allem deswegen, weil anders als bei den Klassen des 19. Jahrhunderts eine sehr hohe Durchlässigkeit der Schichtgrenzen gegeben ist. Mit anderen Worten: Anders als ein Arbeiter im 19. Jahrhundert kann man heutzutage sehr leicht in eine andere Schicht auf-, ab- oder hinübersteigen. Man muss sich nur in die Hände spucken und was leisten. Daher erübrigt sich Klassenkampf.
Zweitens ist die Sozialstruktur völlig anders als im 19. Jahrhundert. Damals gab es eine Einkommenspyramide, mit wenigen Reichen ganz oben und einer sehr breiten Basis von Armen unten. Heute haben wir eine Mittelstandsgesellschaft, d.h. es gibt keine Einkommenspyramide mehr, sondern es ist ein "Ei" mit einer breiten Mitte und nur wenigen oben und unten. Und das hat ausschließlich der Kapitalismus herbeigeführt, der eben doch Wohlstand für alle ermöglicht. Im Sozialismus kann man nur Armut "gerecht" verteilen, aber keinen Wohlstand.
Drittens hat sich der dialektische historische Materialismus als Irrtum erwiesen. Selbst schwere Krisen im kapitalistischen System in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben nicht zu einer kommunistischen Revolution in den entwickelten Gesellschaften geführt. Die dogmatische Annahme, das Sein bestimme das Bewusstsein ist als schlichter Blödsinn erwiesen. Der "Überbau" ist, wie sogar schon Gramsci in den 20ern festgestellt hatte, weitaus bedeutender und oft genug bestimmt das Bewusstsein eben doch das Sein. Es gibt eben doch einen freien Willen und persönliche Verantwortung.
Gibt es heute noch Armut? Nein. Jedenfalls nicht wie im 19. Jahrhundert, schon gar nicht für eine breite Masse oder gar klasse. Wirklich arm sind nur Obdachlose, die aber allesamt ausschließlich Leute sind, die wegen Alkohol- oder Drogenproblemen es nichtmal packen, Sozialhilfe zu beantragen. In Berlin wird ihre Anzahl auf ca. 500 geschätzt, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 3,5 millionen. In diesem Zusammenhang von einer "Klasse" zu sprechen, ist einfach nur lachhaft.
Und die, die wegen der relativen Definition für "arm" erklärt werden (also weniger als 50% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben), sind im historischen Vergleich steinreich. Selbst ein Hartz-IV-Empfänger hat für gewöhnlich nicht nur ein sicheres Dach über dem Kopf, fließend Strom und Wasser, sondern auch genug zu essen, Küchengeräte, Fernsehen, Handy, meist auch Internet, sowie eine Monatskarte für öffentliche Nahverkehrsmittel. Manche leisten sich sogar ein Auto. All diese Luxusartikel gehören zur Minimalausstattung und dürfen nicht gepfändet werden. Soviel zur "Armut" in Deutschland.
Damit will ich nicht sagen, dass soziale Gerechtigkeit kein Thema wäre. Es ist legitim und angebracht, sich über gerechte Verteilung des Wohlstands Gedanken zu machen. Nur kommt man dabei nicht weiter, wenn man auf marxistisches Vokabular und Konzepte des 19. Jahrhunderts zurückgreift, die heute schlicht keinerlei Sinn mehr machen.
Wer heute noch meint, die Welt durch eine marxistische Brille betrachten zu müssen, hat schlicht keine Ahnung von nichts. Er bezeugt, dass er weder von Geschichte eine Ahnung hat, noch von Grunderkenntnissen der Soziologie. Wer sich heute noch einen Marxisten nennt, ist im besten Falle eine Witzfigur.
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Es lebe die Deutsche Republik!
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09. Jun 2008, 01:49
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#2 (Permalink)
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wäre ein toller Moorgraf
Registriert seit: 20.12.2007
Beiträge: 654
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Wie es dem Teufel gefällt, habe ich mich erst gestern mit einer russischen Psychiaterin über den guten alten Marx unterhalten. Sie war der Ansicht, er habe schlicht die Natur des Menschen völlig falsch eingeschätzt, als er davon ausging, jeder müsse einfach nur arbeiten soviel er kann, um zu erhalten was er eben benötigt.
Mir fiel da als erstes ein: ich will gar nicht arbeiten soviel ich kann. Mir reicht es, soviel zu arbeiten, wie ich muß.
Marx machte einen Fehler, der mir auch gern unterläuft. Er schloß von sich auf andere und übersah dabei, daß der gemeine Sterbliche eben keine selbstgewählte Aufgabe ausübt, von der er vollkommen begeistert ist. Brillante Analyse seiner Zeit hin oder her, der Marxismus war schon damit zum Scheitern verurteilt.
Geändert von Parker (09. Jun 2008 um 01:51 Uhr).
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09. Jun 2008, 07:42
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#3 (Permalink)
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Cheeseboiger!
Registriert seit: 14.02.2007
Beiträge: 2,379
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marx hatte in allem recht.
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09. Jun 2008, 10:25
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#4 (Permalink)
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schmatz
Registriert seit: 14.03.2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 1,049
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Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige
Erstens: Es gibt heute keinen Klassenkampf mehr. Das liegt daran, dass es keine Klassen mehr gibt und schon gar kein Klassenbewusstsein. Soziologen sprechen heute von "Schichten", vor allem deswegen, weil anders als bei den Klassen des 19. Jahrhunderts eine sehr hohe Durchlässigkeit der Schichtgrenzen gegeben ist. Mit anderen Worten: Anders als ein Arbeiter im 19. Jahrhundert kann man heutzutage sehr leicht in eine andere Schicht auf-, ab- oder hinübersteigen. Man muss sich nur in die Hände spucken und was leisten. Daher erübrigt sich Klassenkampf.
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Wenn man die Bezeichnung ändert, bleiben der Sachverhalt doch derselbe. Nenn es Klasssen, Schichten oder sonstwie.
Und das mit dem Aufsteigen wenn man in die Hände spuckt glaubts du doch wohl selber nicht?! Erzähl das mal ner Krankenschwester.....
Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige
Zweitens ist die Sozialstruktur völlig anders als im 19. Jahrhundert. Damals gab es eine Einkommenspyramide, mit wenigen Reichen ganz oben und einer sehr breiten Basis von Armen unten. Heute haben wir eine Mittelstandsgesellschaft, d.h. es gibt keine Einkommenspyramide mehr, sondern es ist ein "Ei" mit einer breiten Mitte und nur wenigen oben und unten. Und das hat ausschließlich der Kapitalismus herbeigeführt, der eben doch Wohlstand für alle ermöglicht. Im Sozialismus kann man nur Armut "gerecht" verteilen, aber keinen Wohlstand.
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Das ist etwas, was die Vertreter des "Kapitalismus" (merkwürdigerweise Leute die meistens "oben" sitzen) den Menschen seit 300 Jahren glauben machen wollen. Tatsache ist, das die Schere zwischen oben und unten immer größer wird.
Es gibt ein schönes Beispiel (von wem weiß ich im Moment nicht mehr):
Man stelle sich eine Parade vor, in der die Höhe der Personen ihren Wohlstand angibt und die Menge der Personen, wieviele es in der jeweiligen Größe gibt.
Nach einer unendlich langen Reihe von Zwergen kommt eine sehr kurze Anzahl von sehr großen Riesen. Und die Erhöhung der Produktivität, das Wirtschaftswachstum kommt immer mehr überproportional den Riesen zugute. Will heißen, die Einkommen der Kleinen steigen kaum im Gegensatz zu den Einkommen der Riesen. Obwohl die Kleinen erheblich zum Wachstum beitragen.
Und für jeden der in der Pyramide aufsteigt, muss ein anderer zurückfallen!
Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige
Drittens hat sich der dialektische historische Materialismus als Irrtum erwiesen. Selbst schwere Krisen im kapitalistischen System in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben nicht zu einer kommunistischen Revolution in den entwickelten Gesellschaften geführt. Die dogmatische Annahme, das Sein bestimme das Bewusstsein ist als schlichter Blödsinn erwiesen. Der "Überbau" ist, wie sogar schon Gramsci in den 20ern festgestellt hatte, weitaus bedeutender und oft genug bestimmt das Bewusstsein eben doch das Sein. Es gibt eben doch einen freien Willen und persönliche Verantwortung.
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Da stimme ich dir teilweise zu. Marx Vorraussagen waren falsch und eine Gesetztmäßigkeit abzuleiten auch. Aber seine Analysen waren richtig.
Zitat:
Zitat von Der Unschlüssige
Gibt es heute noch Armut? Nein. Jedenfalls nicht wie im 19. Jahrhundert, schon gar nicht für eine breite Masse oder gar klasse. Wirklich arm sind nur Obdachlose, die aber allesamt ausschließlich Leute sind, die wegen Alkohol- oder Drogenproblemen es nichtmal packen, Sozialhilfe zu beantragen. In Berlin wird ihre Anzahl auf ca. 500 geschätzt, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 3,5 millionen. In diesem Zusammenhang von einer "Klasse" zu sprechen, ist einfach nur lachhaft.
Und die, die wegen der relativen Definition für "arm" erklärt werden (also weniger als 50% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben), sind im historischen Vergleich steinreich. Selbst ein Hartz-IV-Empfänger hat für gewöhnlich nicht nur ein sicheres Dach über dem Kopf, fließend Strom und Wasser, sondern auch genug zu essen, Küchengeräte, Fernsehen, Handy, meist auch Internet, sowie eine Monatskarte für öffentliche Nahverkehrsmittel. Manche leisten sich sogar ein Auto. All diese Luxusartikel gehören zur Minimalausstattung und dürfen nicht gepfändet werden. Soviel zur "Armut" in Deutschland.
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Die typische Sichtweise eines Mitteleuropäers, der offensichtilich nicht mitbekommen hat, dass sich die klassische Armut nur verlagert hat. Es gibt nämlich noch andere Gegenden als den Westen. Afrika zum Beispiel. Die zahlen heute den höchsten Preis für den Wohlstand von wenigen bei uns.
Und deine Aussagen über Hartz-IV Empfänger zeugen von ziemlicher Unwissenheit über die tatsächlichen Lebensumstände dieser Menschen.
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“Religion is an insult to human dignity. With or without it, you’d have good people doing good things and evil people doing bad things, but for good people to do bad things, it takes religion.”
Steven Weinberg, Nobel Laureate in physics.
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09. Jun 2008, 10:57
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#5 (Permalink)
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Sehender
Registriert seit: 16.01.2008
Ort: wo ich mich zu Hause fühle
Beiträge: 1,635
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Lenin hat die marxschen Thesen auf ihre Durchführbarkeit geprüft und sie dann ad absurdum geführt.
"Eine Gesellschaftsordnung muss in den Köpfen der Menschen vorbereitet sein, sonst ist sie zum Scheitern verurteilt." so führt er in seinem Werk "Die Aufgaben der Jugendverbände" aus.
Dies bedeutet doch im Umkehrschluß nichts anderes, als die kommunistische Devise - "Jeder nach seinen Bedürfnissen" - so lange nicht funktioniert, so lange jeder mehr haben will als der Andere.
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Links oder Rechts zu sein, ist ein Zeichen einer halbseitigen politischen und geistigen
Lähmung.
(Ortega Y Gasset)
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09. Jun 2008, 12:17
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#6 (Permalink)
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Member
Registriert seit: 04.06.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 87
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Zitat:
Zitat von Deutscher Jäger
Wenn man die Bezeichnung ändert, bleiben der Sachverhalt doch derselbe. Nenn es Klasssen, Schichten oder sonstwie.
Und das mit dem Aufsteigen wenn man in die Hände spuckt glaubts du doch wohl selber nicht?! Erzähl das mal ner Krankenschwester.....
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Du weißt doch selbst nicht, was du da redest. Krankenschwestern gehören eindeutig zur Mittelklasse und sind steinreich, verglichen mit den wirklich Armen, der Arbeiterklasse des 19. Jahrhunderts! Hatten die etwa geregelte Arbeitszeiten, 6 Wochen bezahlten Urlaub im Jahr, betriebliche Mitbestimmung, Interessenvertretung durch Betriebsräte und ein Einkommen, das ausreicht, nicht nur eine große Wohnung, sondern auch Massenweise Luxusartikel wie z.B. Autos, Handy, Küchengeräte, fließend Strom und Wasser etc. zu bezahlen?! Fakt ist, wir haben heute eine Mittelstandsgesellschaft. Der bei weitem größte Teil der Bevölkerung hat ein Einkommen nahe dem Durchschnittseinkommen.
Und was die Durchlässigkeit der sozialen Schichten angeht: Das ist ebenfalls Fakt. Jeder Erstsemester in Soziologie oder verwandten Gesellschaftswissenschaften weiß das. Wer es leugnet, hat schlicht die letzten 60 Jahre bundesdeutsche Geschichte verpennt. Schonmal was gehört von Massenaufstieg in den 50ern? Von Bildungsoffensive in den 70ern? Frag nur mal in deinem Bekanntenkreis, oder denk an deine Familie -- und du wirst sofort zahlreiche Beispiele für Menschen in der ersten Nachkriegsgeneration finden, die durch Bildung in die Mittelschicht aufgestiegen sind, während ihre Eltern noch der Arbeiterklasse, bzw. dem bäuerlichen Milieu angehört hatten. Und das trifft soziologisch erwiesenermaßen auf den größten Teil der heutigen Mittelschicht zu.
Vergiss es. Es gibt schlicht keine "Klassen" mehr, in dem Sinne, wie Marx diesen Begriff verstand. Und aus den "Schichten" kann man jederzeit durch (frei vom Staat für alle Schichten bereitgestellte) Bildung aufsteigen.
Was du vielleicht meinst, und womit du Recht hast, ist, dass es natürlich noch einen Interessengegensatz zwischen lohnabhängig Beschäftigten und Arbeitgebern gibt. Aber ein "Klassenkampf" ist das nicht, weil die ersteren keine geschlossene "Klasse" mehr sind, schon gar keine "Unterklasse", und weil Tarifstreitigkeiten institutionalisiert wurden und in geregelten Bahnen verlaufen, wobei der Gesetzgeber für etliche Maßnahmen gesorgt hat, die strukturelle Schwäche der Arbeitnehmer auszugleichen.
Wer unter diesen Umständen allen ernstes noch meint, der Begriff "Klassenkampf" im marxschen Sinne mache auch nur annähernd Sinn, um diesen Interessengegensatz zu beschreiben, bezeugt nur, dass er die Geschichte seit 1949 komplett verpennt hat, einen völlig krankhaften Armutsbegriff im Sinn hat und auch von Soziologie nicht auch nur einen Schimmer Ahnung hat.
Zitat:
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Das ist etwas, was die Vertreter des "Kapitalismus" (merkwürdigerweise Leute die meistens "oben" sitzen) den Menschen seit 300 Jahren glauben machen wollen. Tatsache ist, das die Schere zwischen oben und unten immer größer wird.
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Das ist Gejammer auf hohem Niveau. Objektiv gesehen geht es selbst den Ärmsten in unserer Gesellschaft materiell noch besser, als es ihnen jemals in der Geschichte gegangen ist. Und nur weil die Unterschiede größer werden mögen, heißt das auch nicht, dass der gesamte Kuchen nicht immer weiter wächst, und so selbst die relativ ärmeren (korrekterweise müsste man sagen: weniger wohlhabenden) stetig mehr in der Tasche haben als im Jahr zuvor. Was ist dann schlecht daran, wenn eine etwas ungleichere Verteilung nötig ist, um Wachstum zu gewährleisten, wenn immer noch alle davon profitieren?
Zitat:
Es gibt ein schönes Beispiel (von wem weiß ich im Moment nicht mehr):
Man stelle sich eine Parade vor, in der die Höhe der Personen ihren Wohlstand angibt und die Menge der Personen, wieviele es in der jeweiligen Größe gibt.
Nach einer unendlich langen Reihe von Zwergen kommt eine sehr kurze Anzahl von sehr großen Riesen. Und die Erhöhung der Produktivität, das Wirtschaftswachstum kommt immer mehr überproportional den Riesen zugute. Will heißen, die Einkommen der Kleinen steigen kaum im Gegensatz zu den Einkommen der Riesen. Obwohl die Kleinen erheblich zum Wachstum beitragen.
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Und das ist eben ein falsches Beispiel, das von völliger Unkenntnis unserer Gesellschaft zeugt. Bei dieser Parade gibt es nämlich zuerst ein paar wenige Zwerge, die zumeist nur deswegen so kleinwüchsig sind, weil sie ein Alkohol- oder Drogenproblem haben. Dann folgt eine nahezuhe riesige Menge an Mittelwüchsigen, die etwa 90% aller ausmachen. Und ganz am Schluss kommen ein paar ganz wenige Riesen.
Zitat:
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Und für jeden der in der Pyramide aufsteigt, muss ein anderer zurückfallen!
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Und genau das ist ein typisch linker Denkfehler, den so viele machen, die auf dem Gebiet der Wirtschaft totale Analphabeten sind. "Verteilung" suggeriert, dass es eine feste Größe Wohlstand gibt, die man nur irgendwie unter allen aufteilen müsse. Was dabei übersehen wird ist der Umstand, dass sobald man durch staatliche Umverteilung mehr Gleichheit herbeiführen will, das Wachstum abgewürgt wird und der gesamte zu verteilende Kuchen erheblich schrumpft, so dass am Ende alle weniger haben. Umgekehrt verhält es sich, wenn man leistungsgerechter verteilt und somit mehr Unterschiede zulässt: Dann wächst der ganze Kuchen, es gibt mehr zu verteilen für alle, und selbst wenn die Verteilungsunterschiede größer sind, haben am Ende selbst die ärmsten mehr als im ersten Fall.
Zitat:
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Da stimme ich dir teilweise zu. Marx Vorraussagen waren falsch und eine Gesetztmäßigkeit abzuleiten auch. Aber seine Analysen waren richtig.
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Kannst du das ein bisschen Präzisieren?
Ich will Marx' historische Bedeutung nicht schmälern. Ohne ihn hätte es keine Soziologie gegeben, keinen Keynesianismus und kein politisches Bewusstsein für die Arbeiterklasse des 19. Jahrhunderts. Aber das wars dann schon auch.
Sein dialektischer Materialismus jedenfalls war gequirlter Blödsinn und ist historisch auf absolut allen Ebenen widerlegt worden. Es gibt weder eine historische Notwendigkeit für Klassenkämpfe, noch führt der Kapitalismus zur Verarmung der Massen. Das Gegenteil ist der Fall, der Kapitalismus führt zwangsläufig zum "Wohlstand für alle", während jeglicher Sozialismus, bzw. Staatsmonopolismus zwangsläufig in Ruin und Massenverarmung führen muss.
Vor allem aber ist der Satz falsch, dass das Sein das Bewußtsein bestimme. Marx hat völlig die Bedeutung individueller Willensfreiheit und die Macht von Ideen ausgeblendet, was vielleicht angesichts des zuvor vorherrschenden Idealismus verständlich, aber deswegen noch lange nicht richtig war. Es gibt eben nicht nur eine wichtige "Basis" und einen vergleichsweise unwichtigen "Überbau", sondern der "Überbau" hat sich historisch als extrem viel wichtiger, und in vielen historischen Situationen als einzig ausschlaggebend erwiesen. BÄM. Marx widerlegt. Sogar Gramsci hat das schon in den 20ern gesehen, obwohl er noch versucht hat, Marx zu erneuern.
Zitat:
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Die typische Sichtweise eines Mitteleuropäers, der offensichtilich nicht mitbekommen hat, dass sich die klassische Armut nur verlagert hat. Es gibt nämlich noch andere Gegenden als den Westen. Afrika zum Beispiel. Die zahlen heute den höchsten Preis für den Wohlstand von wenigen bei uns.
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Auch das ist Blödsinn. Zwar ist es richtig, dass die entwickelten Staaten oftmals auch mit unfairen Mitteln ihre Interessen gegen Entwicklungsländer behaupten. Aber das heißt nicht, dass wir nur deswegen so wohlhabend sind, weil die so arm sind. Erneut blendest du aus, dass Wirtschaft eben nicht so funktioniert, dass es eine feste Menge Wohlstand gibt, die dann verteilt wird. Sondern der gesamte Kuchen kann wachsen. Wenn die Entwicklungsländer nur ihre Produktivität erhöhen, dann können sie genauso wohlhabend werden wie wir, ohne dass wir gleichzeitig ärmer werden.
Abgesehen davon ist der weit überwiegende Anteil an Unterentwicklung nicht auf exogene, sondern endogene, hausgemachte Probleme der Entwicklungsländer zurückzuführen. Trotz ähnlicher Voraussetzungen haben es einige Entwicklungsländer geschafft, inzwischen zu Industrienationen aufzusteigen (etwa Südkorea, Taiwan, Hongkong, Singapur, einige lateinamerikanische Länder), während andere, trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen, das nicht gepackt haben -- weil sie ihr Geld, bzw. die Entwicklungshilfe nicht für eine sinnvolle, nachhaltige Entwicklung ausgeben, sondern sich eine Kleptokratie daran bereichert, es durch Korruption versickert oder ethnische Konflikte und Kleinkriege damit finanziert werden. Auch steht oftmals die jeweilige lokale Kultur einer vernünftigen Verwendung der Gelder im Wege.
Nene, so einfach kannst du es dir nicht machen. Wir sind nicht einfach nur böse, böse Imperialisten oder Neokolonialisten.
Zitat:
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Und deine Aussagen über Hartz-IV Empfänger zeugen von ziemlicher Unwissenheit über die tatsächlichen Lebensumstände dieser Menschen.
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Ich kenne einige solcher Leute. Und keiner von denen muss Hunger leiden, sondern kann sich sehr wohl Fernsehen, Bier und moderne Kommunikationsmittel leisten. *Sooo* schlimm kann es ihnen nicht gehen.
Aber natürlich wäre es sozial wesentlich gerechter, wenn sie nicht für Nichtstun bezahlt würden, mit dem Geld, das der Staat vorher mit Zwangsmitteln von hart arbeitenden Menschen geraubt hat, so wie die Mafia Schutzgeld erpresst. Besser wäre es, wenn sie einen Job finden würden. Und die Arbeitslosigkeit wird man jedenfalls nicht senken können, wenn man die Steuern und Abgaben immer weiter erhöht, so dass die, die Arbeitsplätze schaffen könnten, es sich schlicht nicht mehr leisten können.
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Es lebe die Deutsche Republik!
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09. Jun 2008, 22:09
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#7 (Permalink)
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Blickdicht
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Ort: der schöne linke Niederrhein
Beiträge: 1,909
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Zitat:
Zitat von senchi
Lenin hat die marxschen Thesen auf ihre Durchführbarkeit geprüft und sie dann ad absurdum geführt.
"Eine Gesellschaftsordnung muss in den Köpfen der Menschen vorbereitet sein, sonst ist sie zum Scheitern verurteilt." so führt er in seinem Werk "Die Aufgaben der Jugendverbände" aus.
Dies bedeutet doch im Umkehrschluß nichts anderes, als die kommunistische Devise - "Jeder nach seinen Bedürfnissen" - so lange nicht funktioniert, so lange jeder mehr haben will als der Andere.
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Hervorhebung durch mich.
Hat er nicht. Er hat sich die Marxsche und Engelssche Weltanschauung geliehen, ein wenig dran geschraubt und daraus seine Sowjetideologie entwickelt.
Stalins Schrift „Über den dialektischen und historischen Materialismus“ baut auf Marx auf und führt ihn in keiner Weise ad adsurdum - Stalin und Lenin liegen hier noch auf einer Linie.
Und in der Theorie leist sich das alles wirklich gefällig.
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Die Geschichte lehrt die Menschen dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.
[i](Mahatma Gandhi - Pazifist und Menschenrechtler, 1869-1948)
Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.
(Ingeborg Bachmann - Schriftstellerin, 1926-1973)
Geändert von Brimborium (09. Jun 2008 um 22:18 Uhr).
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10. Jun 2008, 08:14
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#8 (Permalink)
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Sehender
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Beiträge: 1,635
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Zitat:
Zitat von Brimborium
Hat er nicht.
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Hat er doch.   
Er hat sich nur nicht daran gehalten und gedacht, durch ein wenig Modifizierung könnte er den Kommunismus entgegen seiner eigenen Erkenntnisse installieren. Was rausgekommen ist haben wir ja nun alle selbst erleben dürfen.
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