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11. Jul 2007, 16:27 Uhr
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#61 (Permalink)
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Don Quixote
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 3.483
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Zitat:
Zitat von Kaeptn_Erdbeer
@ Siran
Lesenswert inder Tat. Der Satz von mir :" Das gesamte Linksspektrum angefangen von der SPD bis hin zu den Kommunisten (immerhin damals die prozentuale Mehrheit) lehnte jede Form "Rassengedanken" wehement ab." Kann wohl so nicht stehenbeleiben. Dennoch haben solches Gedanken radikaler Parteimitglieder im Program der SPD der damligen Zeit keinen Niederschlag gefunden.
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Im Grundparteiprogramm nicht, nein. Allerdings sagt das ja nicht wirklich viel über die genaue Tagespolitik aus. Es ist durchaus möglich, dass damals auch derartige Gedanken in Gesetzesvorschläge eingegangen sind. Allerdings fehlen mir dazu einfach die Daten.
Zitat:
Zitat von Kaeptn_Erdbeer
@Amalandrah und Siran
Ich fürchte wir tippen da aneinander vorbei. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht habt ihr recht. (natürlich gabs jede Menge rassistischer Gesetztesvorschläge zumal ja genug extreme Gruppierungen im Paralament vertreten waren. Gesetz wurde aber bis 1933 keiner)
Wenn wir uns darauf einigen das der "Zeitgeist" der Weimarer Republik den Aufstieg der NSDAP begünstigt und gefördert hat gebe ich euch Recht.
Zu sagen: Weimarer Verfassung , Liberalität----> Verursacher Der NS-Diktatur ist aber falsch. Es gab bis 1933 schlicht keinen Zwang staatlicherseitz sich diesen Ideen anzuschließen zu müßen oder sie unwidersprochen hinzunehmen.
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Das ist so nicht ganz richtig, z.B. gab es bereits um 1920 wohl ein Gesetz, dass es vorschrieb, in Standesämtern auf die Maßstäbe der Eugenik hinzuweisen, 1932 wurde ein Gesetz für die (freiwillige) Sterilisation vorbereitet, welches dann nicht mehr verabschiedet aber Vorbild für das spätere NS-Gesetz war.
Bisher war immer nur von der Weimarer Republik die Rede, die nicht nur die eigentliche Verfassung sondern eben auch die Gesellschaft dieser Zeit mit einschließt. Gesellschaftliche Strömungen, die zum Teil von den Parteien unterstützt wurden, haben eben durchaus zum Aufstieg Hitlers beigetragen. Ein Zwang oder eine absolute Notwendigkeit, dass aus der Weimarer Republik ein Hitler entstehen musste, gab es natürlich nicht. Dazu spielen einfach auch zu viele andere Faktoren rein und spielt auch der Zufall zu viel mit. Aber die Weimarer Republik und die Vorgeschichte der Weimarer Republik haben durchaus den Boden bereitet für das, was danach kam.
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11. Jul 2007, 19:46 Uhr
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#62 (Permalink)
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Member
Registriert seit: Jun 2007
Ort: an der sonnigen Alpennordseite
Beiträge: 65
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Zitat:
Zitat von Siran
Das ist so nicht ganz richtig, z.B. gab es bereits um 1920 wohl ein Gesetz, dass es vorschrieb, in Standesämtern auf die Maßstäbe der Eugenik hinzuweisen, 1932 wurde ein Gesetz für die (freiwillige) Sterilisation vorbereitet, welches dann nicht mehr verabschiedet aber Vorbild für das spätere NS-Gesetz war.
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Hallo,
Die Liste läßt sich noch sicher verlängern, später Arbeitsdienstgesetzte z.B., ohne Zweifel waren die späten "Zentrumsregierungen" erzkonservativ bis reaktionär und haben die NSDAP erst in den Sattel gehoben mit ihren Koalitionsangeboten
Zitat:
Zitat von Siran
Bisher war immer nur von der Weimarer Republik die Rede, die nicht nur die eigentliche Verfassung sondern eben auch die Gesellschaft dieser Zeit mit einschließt. Gesellschaftliche Strömungen, die zum Teil von den Parteien unterstützt wurden, haben eben durchaus zum Aufstieg Hitlers beigetragen. Ein Zwang oder eine absolute Notwendigkeit, dass aus der Weimarer Republik ein Hitler entstehen musste, gab es natürlich nicht. Dazu spielen einfach auch zu viele andere Faktoren rein und spielt auch der Zufall zu viel mit. Aber die Weimarer Republik und die Vorgeschichte der Weimarer Republik haben durchaus den Boden bereitet für das, was danach kam.
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Ich verstehe denke ich schon was du meinst.Ich versuche immer den Staatsrechtichen Rahmen einer Epoche zu unterscheiden, auch wenn Staatsrecht--->"Zeitgeist" natürlich aufs engste miteinander verzahnt sind. Zugegebener Maßen sieht das ein wenig kleinlich aus aber ich denke es macht einen Unterschied, ob radikale Ideen gestattet sind weil allgemeine Meinungsfreiheit herrscht sie trotzdem gesagt werden obwohl sie eigendlich verboten sind oder eben gesagt werden müssen.
Zitat:
Zitat von Siran
...Ein Zwang oder eine absolute Notwendigkeit, dass aus der Weimarer Republik ein Hitler entstehen musste, gab es natürlich nicht...
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Eben darauf wollte ich ja hinaus. Der Versuch eines liberalen Staatswesen war wohl der kleinste "Fehler" dieser Epoche.
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11. Jul 2007, 20:02 Uhr
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#63 (Permalink)
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Don Quixote
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 3.483
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Zitat:
Zitat von Kaeptn_Erdbeer
Hallo,
Die Liste läßt sich noch sicher verlängern, später Arbeitsdienstgesetzte z.B., ohne Zweifel waren die späten "Zentrumsregierungen" erzkonservativ bis reaktionär und haben die NSDAP erst in den Sattel gehoben mit ihren Koalitionsangeboten
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Was verstehst du unter Zentrumsregierungen? Meines Wissens hat das Zentrum selsbst nicht mit der NSDAP koaliert. Von Papen hatte da mal Verhandlungen angeleiert, aber die sind komplett und vollständig gescheitert.
Zitat:
Zitat von Kaeptn_Erdbeer
Ich verstehe denke ich schon was du meinst.Ich versuche immer den Staatsrechtichen Rahmen einer Epoche zu unterscheiden, auch wenn Staatsrecht--->"Zeitgeist" natürlich aufs engste miteinander verzahnt sind. Zugegebener Maßen sieht das ein wenig kleinlich aus aber ich denke es macht einen Unterschied, ob radikale Ideen gestattet sind weil allgemeine Meinungsfreiheit herrscht sie trotzdem gesagt werden obwohl sie eigendlich verboten sind oder eben gesagt werden müssen.
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Ganz so war es ja aber gar nicht. Die Gesellschaft an sich war wesentlich radikaler, als das heute der Fall ist. Radikale Ideen wurden nicht einfach geduldet, weil man ja liberal war, sondern die Gesellschaft hat die radikalen Ideen selbst getragen.
Zitat:
Zitat von Kaeptn_Erdbeer
Eben darauf wollte ich ja hinaus. Der Versuch eines liberalen Staatswesen war wohl der kleinste "Fehler" dieser Epoche.
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Ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass jemand die Liberatlität als Fehler bezeichnet hätte, wobei die Weimarer Republik wohl auch nicht in dem Sinne liberal war, wie wir das heute verstehen.
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11. Jul 2007, 21:59 Uhr
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#64 (Permalink)
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Member
Registriert seit: Jun 2007
Ort: an der sonnigen Alpennordseite
Beiträge: 65
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Zitat:
Zitat von Siran
Was verstehst du unter Zentrumsregierungen? Meines Wissens hat das Zentrum selsbst nicht mit der NSDAP koaliert.
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.Die von Papen 1932 gefühte Partei.Haben sie auch nicht drum schreib ich ja auch Koalitionsangebot.Immerhin hat v.Papen das Verbot der SA aufgehoben um erfolgreich zu sein.
Zitat:
Zitat von Siran
Von Papen hatte da mal Verhandlungen angeleiert, aber die sind komplett und vollständig gescheitert.
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Nicht so ganz. In den denkwürdigen geheimen Verhandlungen am 4. Januar 1933 war von Papen als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen. Er sollte Hitler "einrahmen".
Zitat:
Zitat von Siran
Ganz so war es ja aber gar nicht. Die Gesellschaft an sich war wesentlich radikaler, als das heute der Fall ist. Radikale Ideen wurden nicht einfach geduldet, weil man ja liberal war, sondern die Gesellschaft hat die radikalen Ideen selbst getragen.
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Stimmt. Es widerspricht aber nicht dem von mir getippten. Ich meine das nicht nur speziell für diese eine Epoche.
Zitat:
Zitat von Siran
Ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass jemand die Liberatlität als Fehler bezeichnet hätte, wobei die Weimarer Republik wohl auch nicht in dem Sinne liberal war, wie wir das heute verstehen.
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Post 47. Sicher können etliche Dinge heute nicht mehr als liberal gelten. In seiner Zeit war die Verfassung aber durchaus modern.
Geändert von Kaeptn_Erdbeer (12. Jul 2007 um 00:01 Uhr Uhr).
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12. Jul 2007, 12:04 Uhr
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#65 (Permalink)
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Für Notschlachtung
Registriert seit: Apr 2007
Ort: lichtdurchflutetes Elysium
Beiträge: 1.306
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Monsieur Erdbeere,
des isch a zünftiger Schas, was du do von dir gibsch. ;-)
Du vergleichst Bevölkerungsstimmungsbilder und eine demokratische Weltsicht, die nicht zu vergleichen sind. Insbesondere nicht mit heutzutage.
Ich geb dir eine Tipp: Begebe dich ins schöne Dresden, ins Hygiene-Museum. Dort wirst du aufgeklärt über den fliessenden Übergang von Weimarer Republik zum Nationalsozialismus. Der Weimarer Staat hat -um nur ein Beispiel zu nennen- den Bund für Volksaufartung +Erbkunde ideell und finanziell unterstützt. Biologen, Zoologen, Mediziner, Anthropologen, Rassehygieniker -> sie alle trugen zur weitläufig akzeptierten Rassenhygiene bei. Ausmerze von Ballastexistenzen, Asylierung von Ballastexistenzen, Rassenhygiene -> all dies drang ins Fürsorgesystem der Weimarer Republik und fand v.a. Verbreitung und Akzeptanz bei den mittleren und höheren Bevölkerungsschichten. Das ist mit der heutigen Demokratie nicht vergleichbar, es war doch ein völlig anderer Zeitgeist. Ob Antisemitismus, Ballastexistenzen oder Lebensraum -> all dies zeigte sich dort omnipräsent. Ob bei den "Rheinlandbastarden" oder der üppigen antisemitischen Ausuferungen. Und das waren eben nicht nur "die extremen Randgruppen, die jede Demokratieform hat", wie du fatalerweise hinausposaunst.
Ende der Weimarer Republik fing schon eine umfassende Registrierung von Ballastexistenzen an, Gesetzesentwürfe wurden vorgelegt, Datenmaterial wurde gesammelt (Achtung:Alles VOR HITLER) und auf dieses Datenmaterial griffen die Nazis zurück. Die Nazis benutzten die ganzen Entwürfe und Vorlagen der Weimarer Republik. Inhaltlich entsprach das aus der Weimarer Republik den propagierten Werten der Nazis.
Weimar trug maßgeblich dazu bei, den Boden für die Rassenpolitik der Nationalsozialisten zu bereiten.
Ohne diesen damaligen Zeitgeist, deren Ideen und Ansichten auf so viel Akzeptanz stießen, hätte wohl kaum ein Drittes Reich entstehen können.
Also richtet und verdämonisiert aus dem heutigen Sessel heraus nicht so sehr.
__________________
ALLES WOLLEN ENTSPRINGT AUS BEDÜRFNIS, ALSO AUS MANGEL. DAUERNDE BEFRIEDIGUNG KANN KEIN ERLANGTES OBJEKT DES WOLLENS GEBEN. DAS SUBJEKT DES WOLLENS LIEGT BESTÄNDIG AUF DEM DREHENDEN RADE DES IXION, SCHÖPFT IMMER IM SIEBE DER DANAIDEN, IST DER EWIG SCHMACHTENDE TANTALUS
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