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Alt 01. Jul 2008, 23:04 Uhr   #11 (Permalink)
dichterDenker
Profillos
 
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Beiträge: 978
Standard

Zitat:
Zitat von MorganLeFay
Selbstmord ist letztendlich eine Entscheidung des Einzelnen, und ich habe ein großes Problem damit, einem offenbar depressiven Menschen einfach das Gift/ die Waffe/ den Strick hinzulegen und wegzugucken.
Hmm, ja, klammern wir mal das Wegkucken und die Motive erstmal aus.

Wenn Selbstmord jetzt die Entscheidungshoheit des Einzelnen ist, dann sehe ich eigentlich keinen Grund dafür, warum die Beihilfe dazu schlimm ist.
Sagen wir ein Freund von mir wird von seiner Freundin sitzengelassen und entwickelt die absurde Idee, dass er es hier nicht mehr aushält, will alles hinwerfen und in irgendeinem Land, das er keinem nennt, als Straßenkehrer neu anfangen. Vielleicht halte ich das für bescheuert, aber angenommen er überredet mich trotzdem dazu ihn zum Flughafen zu fahren.
Müssen tu ichs ja nicht, aber wenn ichs mache wäre das dann verwerflich?
Ich sehe hier keine Möglichkeit ja zu antworten ohne das Selbstbestimmungsrecht in dem Fall abzulehnen.
Und wenn ich mir dann tatsächlich das Recht rausnehme das Selbstbestimmungsrecht nach Eigenwillkür zu beschränken, warum sollte ich dann da aufhören? Warum nicht einfach weitermachen, bis jeder sich noch entscheiden kann zwischen dem was mir gefällt und dem was mir gefällt?
(Das ist jetzt keine rethorische Frage)

Das Motiv spielt sicher eine Rolle - wenn ich ihn zum Flughafen fahre weil ich weiß, dass seine wirklich gutaussehende Freundin sowieso zu ihm zurückwollte und dann getröstet werden muss...
Aber das kann man in einer grundsätzlichen Diskussion mal ausklammern - fast alles wird ja von irgendwem irgendwo aus unlauteren Motiven getan. Warum verbieten wir nicht Partnervermittlungsagenturen, die teilweise mit denselben Ängsten ihren Gewinn maximieren?

Das Wegkucken, bzw. das die Hilfe zum Nichtselbstmord ausgeklammert wird ist interessanter. Aber eins ist ja offensichtlich - es gibt diese Hilfe überhaupt nicht in ausreichend. Wo war denn bitte die Presse, als die Frau noch am Leben war? Wo waren all die Leute die jetzt ihren Senf dazugeben als es noch nicht zu spät war? Warum ist niemand während den Vorbereitungen auf die Idee gekommen das Thema öffentlich anzuschneiden oder einfach mal mit der Frau zu reden?
Letzlich scheint es doch eher so als ob niemand Hinkucken will. Und sollte jemand das Thema mal thematisieren wollen, wird der Diskussion der Nährboden entzogen.

Zitat:
Zitat von Deutscher Jäger
das, und vor allem muss sich an den Zuständen in den Pflegeheimen dringend was ändern. Wenn Menschen schon lieber sterben als in ein solches Heim zu gehen.
Ich vermute mal, dass die Zustände in den Pflegeheimem da nur zweitrangig waren. Ich schätze, da geht es in erster Linie um viel elementarere Sachen - Einsamkeit, Hilflosigkeit, keine Aufgabe mehr im Leben, usw.
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Alt 02. Jul 2008, 06:53 Uhr   #12 (Permalink)
Scotty
Hup Oranje!
 
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Ort: München
Beiträge: 1.368
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__________________
Wieso keine UFOs auf der Erde landen?
Sie suchen nach intelligentem Leben.
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Alt 02. Jul 2008, 08:25 Uhr   #13 (Permalink)
Siran
Don Quixote
 
Benutzerbild von Siran
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 3.166
Standard

Ich sehe irgendwie einen großen Unterschied dazwischen, jemandem dazu zu verhelfen, ein anderes Leben anzufangen und sei es aus meiner Sicht auch noch so eine idiotische Idee, und jemandem dazu zu verhelfen, sein Leben zu beenden.

Wenn er bei ersterem feststellt, dass es nicht so ist, wie er sich das vorgestellt hat, dann kann er noch was ändern, woanders nochmal neu anfangen. Bei letzterem ist er einfach nur tot...

Mal abgesehen davon finde ich die Vorwürfe gegenüber denen, die nicht vorher eingeschritten sind, etwas unfair. Ich weiß jetzt nicht, wo die Frau gewohnt hat, aber gerade in der Stadt kennst du deine Nachbarn nicht so wirklich gut. Wenn sie noch dazu einer anderen Generation angehören, dann kennst du sie noch weniger. Woher soll man also wissen, ob jemand Selbstmordgedanken hegt Es gibt Hilfe, aber die muss man auch ein wenig selbst suchen.
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Alt 02. Jul 2008, 09:14 Uhr   #14 (Permalink)
senchi
Sehender
 
Benutzerbild von senchi
 
Registriert seit: Jan 2008
Ort: wo ich mich zu Hause fühle
Beiträge: 1.727
Question

Zitat:
Zitat von dichterDenker Beitrag anzeigen
Das Wegkucken, bzw. das die Hilfe zum Nichtselbstmord ausgeklammert wird ist interessanter. Aber eins ist ja offensichtlich - es gibt diese Hilfe überhaupt nicht in ausreichend. Wo war denn bitte die Presse, als die Frau noch am Leben war? Wo waren all die Leute die jetzt ihren Senf dazugeben als es noch nicht zu spät war? Warum ist niemand während den Vorbereitungen auf die Idee gekommen das Thema öffentlich anzuschneiden oder einfach mal mit der Frau zu reden?
Letzlich scheint es doch eher so als ob niemand Hinkucken will. Und sollte jemand das Thema mal thematisieren wollen, wird der Diskussion der Nährboden entzogen.
Dem kann ich durchaus zustimmen.
Ich tue mich allerdings absolut schwer bei der Thematik überhaupt. Was ist mit Menschen die unheilbar krank sind, die aber nicht mehr in der Lage sind Suizid zu begehen, weil sie nur noch an Schläuchen und Geräten hängen, die täglich unsägliche Schmerzen erdulden müssen? Wer hat den Mut und geht zu denen und sagt Ihnen, dass sie nicht sterben dürfen, dass sie weiter leiden müssen nur weil unsere Gesellschaft glaubt einen Ehrenkodex aufstellen zu müssen? Wer stellt denn solche Gesetze und Bestimmungen auf? Die Betroffenen? Eher nicht, es sind sicher die Gesunden, die das bestimmen.
__________________
Links oder Rechts zu sein, ist ein Zeichen einer halbseitigen politischen und geistigen
Lähmung.
(Ortega Y Gasset)
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Alt 02. Jul 2008, 09:16 Uhr   #15 (Permalink)
Gaucho
Senior Member
 
Registriert seit: Apr 2008
Beiträge: 356
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Interessant wäre es: Wie sind die Rentnerin aus Bayern und der Ex-Senator aus Hamburg zusammengekommen? Irgendwie muss er ja von ihr erfahren haben. Angeblich hat er die Tötungsamaschine ja schon mal vorgestellt, vielleicht hat sich die Rentnerin an ihn gewandt. Aber Adresse rausfinden, Kontakt afnehmen, dazu muss man ja noch einige Energie aufbringen.

Mit dieser Energie hätte sich die Frau ihr Leben noch einigermmaßen nach Wunsch einrichten können, auch in einem Pflegeheim. Ich kenne zwar nur eins, ein ganz normales, aber darin kann man es durchaus aushalten.
Hätte ihr Eitel Kusch dazu verholfen, hätte die Presse keine Notiz davon genommen. Das war wohl nicht sein Ziel.
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Alt 02. Jul 2008, 10:01 Uhr   #16 (Permalink)
Meister Brubbel
Cheeseboiger!
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 2.476
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muss man immer erst unheilbar krank sein, um keine lust am leben mehr zu haben ?

bei den vielen qualitativ nicht genügenden pflegeeinrichtungen und speziellen situationen von einsam- und hilflosigkeit man schon den wunsch der alten dame nachvollziehen man kann. das verhalten dieses ex-senators aber nicht. das ist nur falsch verstandenes "wachrütteln"
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Alt 02. Jul 2008, 11:23 Uhr   #17 (Permalink)
New Model Army
Senior Member
 
Benutzerbild von New Model Army
 
Registriert seit: Feb 2008
Beiträge: 517
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Als gesunder Politiker fernab der Realität der "Basis" kann man natürlich eine Moral entwickeln, auch wenn sie dann schlußendlich in ihrer letzten Konsequenz noch so zynisch sein mag. Ehrlich gesagt hat das auch mit den Zuständen in Pflegeheimen wenig bis nichts zu tun, zumal die allerwenigsten Menschen in Pflegeheimen leben/sterben und die Mehrheit von Familienangehörigen gepflegt werden (zumindest über einen sehr langen Zeitraum hinweg).
Man kann und darf Kusch natürlich eklig finden und ich finde nun nicht eben sympathisch was er macht und wie er es macht. Aber gleichzeitig ist es auch Realität, dass eben die meisten Menschen immer älter werden und man heutzutage menschliches Leben "schier unendlich" verlängern kann. Eine höhere Lebenserwartung bedeutet aber auch längeres Siechen, länger Krankheit und oft auch länger Sterben (betroffen sind dabei meist Frauen, weil die dummerweise etwas gesünder leben als Männer und deshalb auch älter werden).
Vermutlich keiner der achso aufheulenden Kerle mit ihren moralinsauren Wertvorstellungen hat sich mal 5 Jahre in der Intensivpflege aufgehalten oder Menschen mit Krebserkrankung im Endstadium beim Sterben Krepieren begleitet.
__________________
He whose face gives no light, shall never become a star

William Blake
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Alt 02. Jul 2008, 11:46 Uhr   #18 (Permalink)
DreadfulGreat
Fan of W.Hofer_Clan
 
Benutzerbild von DreadfulGreat
 
Registriert seit: Jan 2008
Ort: Hofheim Ts.
Beiträge: 780
Standard

Zitat:
Zitat von Deutscher Jäger Beitrag anzeigen
Der ganze Typ ist ekelerregend...

das, und vor allem muss sich an den Zuständen in den Pflegeheimen dringend was ändern. Wenn Menschen schon lieber sterben als in ein solches Heim zu gehen.
Zitat:
Zitat von Meister Brubbel Beitrag anzeigen
muss man immer erst unheilbar krank sein, um keine lust am leben mehr zu haben ?

bei den vielen qualitativ nicht genügenden pflegeeinrichtungen und speziellen situationen von einsam- und hilflosigkeit man schon den wunsch der alten dame nachvollziehen man kann. das verhalten dieses ex-senators aber nicht. das ist nur falsch verstandenes "wachrütteln"
Zustimmung.
Interessantes Interview in der FR


DG
__________________
Strahlfront. Muß sein!

„Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“
Chlodwig Poth
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Alt 02. Jul 2008, 15:56 Uhr   #19 (Permalink)
SCHWARZER RABE
Junior Member
 
Benutzerbild von SCHWARZER RABE
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 19
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Zitat:
Zitat von Wahnfried44 Beitrag anzeigen
Hmm, eine schwierige Entscheidung..........
ich weiß nicht, wie ich mich verhalten würde,
wenn ein Todkranker mich um KCN anbetteln sollte.
Na na na, das darfst du doch nicht öffentlich äußern!

(Würdest du eine Schußwaffe nehmen? )
SCHWARZER RABE ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 02. Jul 2008, 16:10 Uhr   #20 (Permalink)
meierdings
Junior Member
 
Registriert seit: Jul 2008
Beiträge: 26
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Ich finde jeder Mensch hat das Recht den Zeitpunkt seines Todes selber zu bestimmen.

Natürlich darf kein neuer Industriezweig daraus werden. Nach dem Motto "Schöner sterben - mit der "Über den Jordan-Company" - Nur 19,99€ - schmerzfrei 200€"

Das lehne ich strikt ab.
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