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Alt 30. Mär 2007, 19:56 Uhr   #21 (Permalink)
Almdudler
mundtot
 
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Wer in der Jugend kein Kommunist war, hat kein Herz, wer im fortgeschrittenen Alter immer noch ein Kommunist ist, hat kein Hirn. Von wem dieser Ausspruch stammt weiß ich nicht mehr, ehrlich gesagt ist der Schreiber dieser Zeilen zu faul, um nachzuschlagen.

Da kamen sie 1989 über die Grenze nach Österreich, in der Hand ein Stückerl Stacheldraht vom eisernen Vorhang. Und diese Sprache, die mit uns so verbunden, wie lange war sie nicht zu hören. Feuchte Augen, als sie in unsere Universität kamen. „Weißt Du", erzählte einer, „es war auf einem Studentenfest. Einen blöden Witz über die Regierung einer von uns gemacht. Zwei Tage später stand die Polizei vor seiner Tür!" Wer da wen verraten habe, wußte niemand zu sagen, Vermutungen, Verdächtigungen.

Jössas, in der Pubertät war ich auch „Kommunist!", einfach um die verzopften, verstaubten Lehrer und ein ziemlich verkorkstes Schulsystem zu schockieren. Lange, sehr lange ist’s her.

Das vergeht mit dem Alter.

Warum wird stets Amerika für alles Übel verantwortlich gemacht? Was hat es uns gebracht dieses Amerika, uns Österreichern und viel später unseren Nachbarn? Die Freiheit, das Individuum als selbstbestimmendes Wesen.

Es tut mir leid, wenn ich den Kommunismus als unmenschliche Gleichmacherei sehe. Sehr dankbar der Sozialdemokratie, die Österreich in den 70ern den Sozialstaat brachte. Doch dies ist nun abgeschlossen, dermaßen fest verankert, daß nicht einmal die Wirtschaftsliberalsten ihn abschaffen werden können.

Die Zeit ist vorbei. Und ja, ideologiefreie Zustände sind ganz angenehm.

Das, was sich heute als die „Linke" bezeichnet ist eine Lachnummer, eine gefährliche obendrein. Da ihre Existenz eigentlich obsolet geworden ist, sucht sie verzweifelt nach zu Befreienden, paktiert mit gar Gefährlichen. Lieber einem wahnsinnigen Pelzgoscherl in Oasch kriechen als Amerika ein Partner sein. Da will sie sich den Befreier, den Freund zum Feind machen, um sich in gefährliche Fahrwasser zu begeben.

Und ein vereintes Europa wäre ebenfalls ein fataler Fehler. 27 Nationen über einen Kamm scheren, das wird nicht gehen. Und Revolutionen anzetteln, Gott bewahre, Gott behüte! Wozu eigentlich?

Ach ja, italienische Supereuropäer von ganz links in schneidiger Kleidung, die das Essen in Österreich nicht mochten, weil es anders war als zuhause. Internationalisten, allesamt. Hinzugefügt sei, daß unsere Küche eine der besten der Welt ist und viele Spitzenköche weltweit aus unserem Land kommen.

Ja, daraus erliest man, der Schreiber dieser Zeilen ist ein Patriot, wie so viele unter den 27 Völkern. Also wozu ein künstliches Staatsgebilde schaffen, das niemandem ans Herz wachsen wird?

Wozu ein System ändern, das sich als Wirtschaftsgemeinschaft bewährt hat? Wozu ein politisches Konstrukt schaffen, das sich in der Welt nur lächerlich macht und vor Despoten einknickt?

Was ist an der militärischen Dominanz Amerikas so schlecht? Sicher ist vieles, was sie tun nicht unbedingt richtig, sie wahren ihre eigenen Interessen, aber im Vergleich zu den anderen mit Weltherrschaftsansprüchen sind die geradezu putzig. Ferner, müssen sie stets auf die Meinungen in der Bevölkerung Rücksicht nehmen, das hat eine Demokratie so an sich. Somit ist der „Imperialismus", wenn überhaupt der einer Demokratie.

Ich habe als Weltsprache lieber englisch als arabisch. Weil Englisch nach Freiheit klingt.

Hört Euch um in Prag, Bratislava und Budapest, wie gut sie über Amerika denken. Tja, dort ist es nicht allzulang her mit der Diktatur.

Nein, keine Revolutionen, keine Umstürze, keine Gleichmacherei. der Faktor Mensch, ja, der Mensch möchte sich stets von anderen unterscheiden. Und wenn es welche in diesem Land gibt, die unendlich reich sind, ist mir das egal, denn es geht mir in dem Österreich von heute verdammt gut, wie den allermeisten. Deshalb braucht man Sachpolitik, keine Ideologien.

Wenn man jung ist, kann es ganz witzig sein in einem Land mit Demokratie und Wohlstand Kommunist zu sein.
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Alt 30. Mär 2007, 20:02 Uhr   #22 (Permalink)
realGODlike
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Das Zitat stammt meines Wissens von Winston Churchill, man muss also bei seiner Bewertung eventuell den historischen Kontext berücksichtigen, insbesondere, was die Rolle der Sowjetunion angeht. Und die Gleichsetzung von Kommunismus bzw. seinen pseudokommunistischen Ausprägungen mit Sozialismus im Allgemeinen halte ich weiterhin für falsch. Einige andere Punkte, die du nennst, wären wohl ebenfalls diskussionswürdig, ließen diesen Thread aber ausufern.
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""Jenosse! Sa' ma, wieso wählst du'n eiijentlich SPD?" (...) "Donnerwetter" sagt er," Donnerwetter! Nu wähle ick schon 22 Jahre diese Partei, aber warum ick det tue, det hat mir noch keener jefracht! (...) Wat brauchste Grundsätze, wenn de een Apparat hast!"
Und da hat der Mann recht! Wahrscheinlich werd ick diese Partei wähln, denn dit is so ein beruhijendet Jefühl: Man tut wat for de Revolution und weeß janz jenau, mit diese Partei kommt se janz bestimmt nich! "
(Kurt Tucholsky)
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Alt 30. Mär 2007, 23:01 Uhr   #23 (Permalink)
umananda
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Zitat:
Zitat von Almdudler Beitrag anzeigen

Hört Euch um in Prag, Bratislava und Budapest, wie gut sie über Amerika denken. Tja, dort ist es nicht allzulang her mit der Diktatur.

Nein, keine Revolutionen, keine Umstürze, keine Gleichmacherei. der Faktor Mensch, ja, der Mensch möchte sich stets von anderen unterscheiden. Und wenn es welche in diesem Land gibt, die unendlich reich sind, ist mir das egal, denn es geht mir in dem Österreich von heute verdammt gut, wie den allermeisten. Deshalb braucht man Sachpolitik, keine Ideologien.

Wenn man jung ist, kann es ganz witzig sein in einem Land mit Demokratie und Wohlstand Kommunist zu sein.
Witzig ja, aber ziemlich damisch, wenn frau/man es noch mit dreißig oder älter ist. Ich war es nie, weil meine Familie nicht nur den Nationalsozialismus kennengelernt hat, sondern auch den ungarisch-sowjetischen Kommunismus.
Bis auf die Shoah haben sie alles im Angebot gehabt. Prag, Bratislava und Budapest sind vor allem deshalb pro USA, weil sie die Diktatur kennen. Die Deutschen (DDR insbesondere) glauben immer noch an Ideologien... eine deutsche Krankheit, sozusagen. Wie sagt Ernst Jandl so schön? Ach was, frau/man lese meine Signatur.

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Alt 31. Mär 2007, 00:50 Uhr   #24 (Permalink)
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Krampfhaft vorgetäuschte Ideologiefreiheit ist besonders heutzutage auch eine häufig anzutreffende Form von Ideologie...
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Und da hat der Mann recht! Wahrscheinlich werd ick diese Partei wähln, denn dit is so ein beruhijendet Jefühl: Man tut wat for de Revolution und weeß janz jenau, mit diese Partei kommt se janz bestimmt nich! "
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Alt 31. Mär 2007, 01:17 Uhr   #25 (Permalink)
umananda
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Zitat:
Zitat von realGODlike Beitrag anzeigen
Krampfhaft vorgetäuschte Ideologiefreiheit ist besonders heutzutage auch eine häufig anzutreffende Form von Ideologie...
Niemanden zu seinem Glück zwingen zu wollen, ist alle Mal besser, als es zu tun. Ganz gleich, ob es "krampfhaft" geschieht oder locker...

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Alt 31. Mär 2007, 01:18 Uhr   #26 (Permalink)
realGODlike
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Ideologie muss also zu Glück zwingen, weil sie mit Mitteln des Zwangs durchgesetzt werden muss? Hier tun sich nicht zum ersten Mal erschreckende semantische Mängel auf...
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Alt 31. Mär 2007, 01:45 Uhr   #27 (Permalink)
umananda
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Zitat:
Zitat von realGODlike Beitrag anzeigen
Ideologie muss also zu Glück zwingen, weil sie mit Mitteln des Zwangs durchgesetzt werden muss? Hier tun sich nicht zum ersten Mal erschreckende semantische Mängel auf...
Was hat das Ganze mit Linguistik zu tun? Du solltest nicht mit Begriffen herumwerfen, wenn du sie nicht einzusetzen verstehst.

Ja, Ideologie will andere überzeugen. Ansonsten benötigst du keine ideologische Unterweisung...

Servus umananda

Zitat:
Zitat von Roter Prolet Beitrag anzeigen
Einspruch - Die Oktoberrevolution ist kein Putsch gewesen und die Bolschewiki waren nicht die einzigen Triebkräfte. Es gab also eine breite Massenbasis. Die ein Jahr später verabschiedete Verfassung machte deutlich, dass nicht irgendein undemokratisches Regime herrschte. Zumindest nicht bis Ende der 20er Jahre.
Du betreibst Geschichtsklitterung... Als die Zeit des Roten Terrors gilt die Phase von der Revolution bis zum Versuch, Anfang der 1920er Jahre die bäuerliche Schicht der Kulaken mittels einer großen Hungersnot auszuschalten. Er richtete sich aber auch gegen andere Schichten, wie den bürgerlichen Mittelstand und auch gegen oppositionelle Teile der Arbeiterschaft. Auch die ‚Umsiedlungspolitik‘ in Lagersysteme beginnt hier.

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Geändert von umananda (31. Mär 2007 um 01:47 Uhr Uhr). Grund: Doppelpost zusammengeführt
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Alt 31. Mär 2007, 02:37 Uhr   #28 (Permalink)
Almdudler
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Zitat:
Zitat von umananda Beitrag anzeigen
Witzig ja, aber ziemlich damisch, wenn frau/man es noch mit dreißig oder älter ist.

A bissl a Gaudi muaß sein. Ich hab in der Trafik vor der Schule immer die "Volkstimme" lauthals verlangt. "So jung und scho so radikal...", hat der Trafikant immer gemeint. Das hat schon Spaß gemacht, so wie das heimliche Rauchen und das Kaugummikauen bzw. Kaffeebohnenzerbeißen nachher.

Da waren ein paar links, im Lederjopperl vom Papa bezahlt, eh klar.

Aber das schneidige Jackerl, das ich dann in Mailand gekriegt hab, hab ich trotzdem angezogen. Voller Stolz hab ichs angehabt. Damals war's noch so, daß vieles ganz anders war als man die Grenze überschritten hat. Die Gleichmacherei, diesmal die der Europäisierung hat's halt geschafft, daß wir zwar immer noch viele, viele Jackerln haben, aber überall dieselben. Das In-Mailand-Gekauft-haben hat sich erübrigt.

Wuascht, ich hab das Kommunistsein damals auch furchtbar ernst genommen. Mit all der uns Österreichern innewohnenden Inkonsequenz. Mailand war schlußendlich doch geiler als Moskau. Leider führte ich nicht Tagebuch, ich hätte viel zu lachen.
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Alt 31. Mär 2007, 03:05 Uhr   #29 (Permalink)
dichterDenker
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Zitat:
Zitat von Almdudler
Das, was sich heute als die „Linke" bezeichnet ist eine Lachnummer, eine gefährliche obendrein. Da ihre Existenz eigentlich obsolet geworden ist, sucht sie verzweifelt nach zu Befreienden, paktiert mit gar Gefährlichen. Lieber einem wahnsinnigen Pelzgoscherl in Oasch kriechen als Amerika ein Partner sein. Da will sie sich den Befreier, den Freund zum Feind machen, um sich in gefährliche Fahrwasser zu begeben.
Ach Gott... wieder das Achse des Bösen "Argument"...
Aber nur ein paar Fragen: Warum ist die Linke obsolot geworden? Brauchen wir dann noch andere "Seiten"? Was ist mit der Rechten? Der Mitte? (Ist das alles nicht eher peinliches Schubladendenken?)

Zitat:
der Faktor Mensch, ja, der Mensch möchte sich stets von anderen unterscheiden. Und wenn es welche in diesem Land gibt, die unendlich reich sind, ist mir das egal, denn es geht mir in dem Österreich von heute verdammt gut, wie den allermeisten. Deshalb braucht man Sachpolitik, keine Ideologien.
Hmm, ist es dir egal, dass es unendlich Reiche gibt, solange es arme Menschen gibt?
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Alt 31. Mär 2007, 09:48 Uhr   #30 (Permalink)
Efna
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Zitat:
Zitat von umananda Beitrag anzeigen
Witzig ja, aber ziemlich damisch, wenn frau/man es noch mit dreißig oder älter ist. Ich war es nie, weil meine Familie nicht nur den Nationalsozialismus kennengelernt hat, sondern auch den ungarisch-sowjetischen Kommunismus.
Bis auf die Shoah haben sie alles im Angebot gehabt. Prag, Bratislava und Budapest sind vor allem deshalb pro USA, weil sie die Diktatur kennen. Die Deutschen (DDR insbesondere) glauben immer noch an Ideologien... eine deutsche Krankheit, sozusagen. Wie sagt Ernst Jandl so schön? Ach was, frau/man lese meine Signatur.

Servus umananda
Warum ist man zwangsläufig Pro USA wenn man gegen Diktatur ist. Das grosse Proplem bei vielen Pro Amerikaner ist das sie nur zwei Seiten kennen.
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