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Alt 19. Feb 2007, 12:22 Uhr   #11 (Permalink)
dichterDenker
Profillos
 
Registriert seit: Feb 2007
Beiträge: 1.044
Standard

Zitat:
Zitat von Chester
Was, den, den es bei Kohle oder Kernenergie auch gibt?
Umweltschädlichkeit allein an Schadstoffausstoß festmachen zu wollen, ist sicherlich falsch, im Vergleich dazu fallen jedoch die meisten anderen Faktoren IMHO kaum ins Gewicht.
Zumindest in Deutschland, wo nicht damit zu rechnen sein dürfte, daß die Landschaft dann bald durch lauter Stauseen verschandelt wird
Der aber im Vergleich niedriger sein kann. Und letztlich muss man auch sehen, dass hier auch Schadstoffe ausgestoßen werden.
Wenn Öl irgendwo im nahen Osten gefördert wird, die ganze Zeit eine das unlukrative Zeugs, dass sonst noch dabei ist, abgefackelt wird, das dann rafinniert wird, die Gifte ins nächstbeste Meer gekippt werden, dass Zeug per Tanker über 1000de km transportiert wird, dann fallen beim Verbrauch des Öls
in Deutschland sicher weniger Schadstoffe an als bei dem Verbrauch von in Deutschland geförderter Kohle.
Das ist aber m.E. ziemlich kurzsichtig, dass nur auf Deutschland zu beschränken.
Die anderen Faktoren würde ich auch nicht unterschätzen.
Solange Wasserkraft nur einen kleinen Teil des Energiebedarfs deckt ist sicher die Gefahr von zuvielen Stauseen gering - aber wenn man die gesammte Energieversorgung damit sicherstellen müsste schaut das ganz anders aus.

Zitat:
Für sowas haben wir freie Marktwirtschaft...
Es hängt natürlich vom jeweiligen (De-)Regulierungsgrad ab, aber zumindest im Bereich der Energiekonzerne und Autobauer denke ich schon, daß diese dann durch Nutzung umweltfreundlicher (steuersparender) Energien ihre Preise zu senken versuchen werden, um ihre Attraktivität für den Kunden zu steigern.
Ist der Energiemarkt ein Beispiel für freie Marktwirtschaft?
Bei den Autoherstellern ist das auch so eine Frage.
Wenn man sie durch Besteuerung der Kunden zum Bau umweltfreundlicherer Autos bewegen kann, kann man das mit Sicherheit auch durch gesetzliche Auflagen, die die Autohersteller direkt betreffen.
Das Kernproblem an der Sache ist nämlich nicht, dass es umweltfreundliche Autos nicht gekauft werden, sondern, dass die Entwicklung nur sehr schleppend vorangeht.
dichterDenker ist offline   Mit Zitat antworten Direkt antworten
Alt 19. Feb 2007, 12:38 Uhr   #12 (Permalink)
MorganLeFay
milkaholic
 
Benutzerbild von MorganLeFay
 
Registriert seit: Feb 2007
Ort: Dundee
Beiträge: 2.821
Standard

Zitat:
Zitat von Scipio Beitrag anzeigen
Umweltfreundlichkeit durch Zwang gefällt mir nicht besonders...
Es kommt auf den Zwang an, denke ich.

Steuern und Abgaben sind eines der wirksamsten Mittel, umweltschaedigendes Verhalten einzudaemmen und gleichzeitig die Suche nach Alternativen zu foerdern.

Die Umwelt hat im wesentlichen drei Nutzungsarten: Ressource, "Endlager" fuer Abfall- und aehnliche Produkte und einen "Annehmlichkeitswert" (im gruenen Wald joggen ist netter als aufm Betonparkplatz, Tourismus, Entspannung).
Alle drei schaedigen sie potenziell.

Der Grundgedanke ist, dass die Natur eine Ressource wie jede andere ist. Statt aber bei einer Nutzung in ihrer Menge abzunehmen (wie zum Beispiel Bodenschaetze), verschlechtert sich "nur" ihre Qualitaet.
Das hat verschiedene Gruende.
  • Die Umwelt erfuellt wesentliche Kriterien eines oeffentliches Gutes - Rivalitaet und das Ausschlussprinzip existieren nicht (wenn ich atme, kannst Du trotzdem noch Luft holen). Dadurch wird der Natutr kein realistischer Preis fuer ihre Nutzung beigemessen.
  • Besitzrechte sind nicht definiert. Wem gehoert die Atmosphaere?
  • Es besteht scheinbar keine Knappheit - dass dem nicht so ist, s. oben.
  • Kurzsichtigkeit bzw eine "Asymmetrie der Reaktionszeiten". Wenn ich jetzt die Natur nutze und sofort davon profitiere (Deospray unter die Achseln und 'nen Kerl aufreissen, weil ich gut rieche), kann es lange dauern, bis der Schaden fuer die Natur (die Kosten) sichtbar werden (FCKWs brauchen enorm lange, um die Ozonschicht zu erreichen).
  • Und schlicht und einfach Unwissen. Oftmals kann man nicht mal erahnen, was eine neue Technologie fuer Schaeden mit sich bringt.

Das Resultat ist, dass wir schlicht und ergreifend nicht den Preis fuer die Ressource Natur zahlen, der angemessen waere, um einen effizienten Umgang mit ihr zu erwirken (ich lasse mal den Exkurs mit sozialen Kosten vs. privater Nutzen und die Gleichgewichtsfindung weg).
Eine moegliche Loesung ist, eine Steuer oder Gebuehr auf besonders schaedigende Aktivitaeten zu erheben, um so ihren Preis kuenstlich anzuheben und die Knappheit der Ressource abzubilden.
Wie eigentlich immer werden dadurch Gueter mit niedrigeren Preisen attraktiver, so dass, obwohl es eine Zwangmassnahme ist, der Marktmechanismus umweltfreundlicher Gueter/ Prozesse in den Vordergrund rueckt.

Im Grunde ist es ein Versuch, natuerliches Markversagen zu korrigieren.
__________________
So when you're asked to fight a war that's over nothing, it's best to join the side that's going to win.
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