Sehr geehrte Damen und Herren!
Sehr geehrte Bahnfreunde!
Bahnhofsneubauprojekt Stuttgart 21
In Kürze soll mit dem Abbruch des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes begonnen werden -
der m.E. erste sehr einschneidende Arbeitsschritt für das äußerst umstrittene Großprojekt Stuttgart 21
- gekürzt S 21 genannt.
Stuttgart 21 – Wikipedia
Seit Beginn der Diskussion stehen sich Befürworter und Gegner dieses Projektes fundamental gegenüber und mit den unmittelbar bevorstehenden Abbrucharbeiten droht die Situation zu eskalieren.
Das alles nicht ohne Grund:
S 21 wird erst einmal sehr, sehr teuer werden,
so wie das bei solchen Großprojekten üblich ist.
Und was sich in klaren Konturen abzeichnet:
S 21 wird aber vermutlich noch sehr viel teurer werden,
als ohnehin schon geplant, weil der Rotstift bei den schöngerechneten Planungen möglicherweise vorab in Urlaub geschickt wurde, so wie das bei solchen Großprojekten keine Seltenheit ist.
Vor einigen Wochen berichtete die ZDF-Sendung "Frontal 21" mit dem vielsagenden Titel "Milliardenloch im Schwabenland" über den Start der drohenden Steuergeldversenkung.
Milliardenloch im Schwabenland - ZDF.de
Die Sendung stützt sich auf einen Bericht des Bundesrechnungshofs, der besagt, dass der Finanzierung des Projekts 1,2 Mrd Euro fehlen, sowie noch einmal 1,2 Mrd für den Neubau der Strecke Stuttgart - Ulm ...
= damit könnten dem Projekt möglicherweise in der Endabrechnung 2,4 Milliarden ( + X) Euro fehlen.
Es wäre nicht das erste mal, dass ein von Politik und interessierter Lobby hoch gepriesenes Vorzeigeobjekt eine katastrophale, quasi nicht vorzeigbare Endabrechnung beweist.
Der ohnehin höchst verschuldete Staat, hier besonders zu nennen Bund und Land Baden-Württemberg werden möglicherweise bitterböse finanziell drauflegen- sprich wir alle. Was das für uns als Bürger bedeutet kennen wir, sollten wir wissen.
Hier nur ein paar wenige Beispiele:
unsoziale Sparpakete, wie aktuell von der Bundesregierung beschlossen, viel zu geringe Investitionen (allein im europäischen OECD Vergleich) in den Bildungshaushalt und
eine beständige Erhöhung von Steuer, Gebühren - und Abgabenlasten.
Möglicherweise wird in nicht allzu ferner Zukunft das Geld fehlen, um im Wirkungsfeld 200 Kilometer rund um Stuttgart einen halbwegs ordentlichen Regionalverkehr anbieten zu können. Unter der Stuttgarter Erdoberfläche werden sich dann möglicherwiese die Züge auf (im Vergleich zu den heutigen 16 Kopfbahnhofgleisen) dann nur noch 8 existierenden Durchfahrgleisen drängen, aber nur 50 Kilometer davon entfernt könnte dann z.B. im Zaabergäu das Motto "Endstation Sehnsucht" für all die Unentwegten gelten, die dann noch per kaputt zu sparenden ÖPNV gen Stuttgart rollen wollen..
Das Land Baden-Württemberg wird weiter so skrupellos im Bildungsbereich sparen, wie ich und andere leidgeprüfte Ex-Absolvent(inn)en der PH-Weingarten das seit Jahren erfahren mussten und müssen.
Und wie allein die Bundesregierung angesichts der bei diesem Großprojekt avisierten Ausgabepolitik künftig die Netto-Neuverschuldung effizient minimieren will, ist und bleibt mir und ich vermute jedem betriebs- und volkswirtschaftlich denkenden Menschen ein unlösbares Rätsel.
Spannend, das heißt so richtig spannend wird das alles erst werden, wenn in nur wenigen Jahren die von der Regierung vollmundig verbal schon einmal vorinstallierte Schuldenbremse in allen gesellschaftspolitisch wichtigen Bereichen gnadenlos ihre Bremsbacken ausfahren soll -
Reibungsverluste aller Orten sind vorprogrammiert.
Ob dann noch die aktuellen Befürworter und Betreiber des überteuren Großprojektes Stuttgart 21 noch etwas von Ihrer Stimme für diese drohende Versenkung von Steuermilliarden wissen wollen?
Es wäre auch nicht das erste mal, dass die katastrophalen finanziellen Folgen staatlicher Fehlentscheidungen verdrängt werden sollen.
Was wir nicht verdrängen sollen:
Weiter nötigt Stuttgart 21 zu erheblichen Eingriffen in den Bestand, abgesehen von den Belastungen,
welche durch die auf ein Jahrzehnt angesetzten Bauarbeiten den betroffenen Bürgern bzw. Bahnreisenden drohen:
Mindestens 120 alte Bäume (in einigen Aussagen werden auch Zahlen jenseits der 200 Marke genannt) werden in dem benachbarten Schloßpark gefällt werden etwa 40% -50% der historischen Substanz ( = Nord und Südflügel und die Bahnsteiganlagen) des derzeitigen Stuttgarter Hauptbahnhofes sollen abgerissen werden.
Angesichts der drohenden Missstände fiskalischer, verkehrlicher und gesellschaftspolitischer Natur hat sich der Protest in den letzten Tagen ausgeweitet und die wirkliche gesellschaftliche Unterstützung für das Mammutprojekt scheint mit nicht gegeben, zumindest nicht belegt.
Montagsdemo: Protest wird immer stärker - Stuttgarter Zeitung online - Stuttgart, Region & Land - Stuttgart 21
Ich persönlich werde in den nächsten Wochen aktiv in vielerlei Hinsicht gegen den Baubeginn vorgehen und stelle mich zudem mit dem in der Anzahl wachsenden Protest auf einen langjährigen Widerstand ein, wenn die verantwortliche Politik hier nicht endlich noch die Notbremse ziehen will und stattdessen lieber weiter ungebremst Staatsfinanzen und Zukunftsaussichten dieser Gesellschaft ins gnadenlose Abwärts rollen lassen will.
Das ist sicher nicht jedemanns/frau Sache, aber für Demokraten durchweg sinnvoll erscheint mir der folgende Appell, der ein Moratorium bezogen auf den Baubeginn fordert, um eine als sinnvoll und notwendig erkannte Denkpause zu ermöglichen.
Der Link dazu:
Stuttgarter Appell
Hier kann auf der dazugehörigen Seite der oben benannte Appell online unterschreiben werden:
Stuttgarter Appell
Wie und was derzeit aktuell am Nordflügel des ehrwürdigen Stuttgarter Bahnhofes geschieht und was in den nächsten Tagen/Wochen dort geschehen wird, kann unter folgendem Link
zur dortigen Webcam abgerufen werden:
Der Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes
Ich hoffe sehr darauf, dass die Zerstörung historischer Bausubstanz sowie die beginnende gesellschaftspolitische Talfahrt bezogen auf Stuttgart 21 uns erspart bleibt.
Mit freundlichen Grüßen, Thomas Schüller