Was taugt Marxismus heute noch?
So, hier will ich mal eine kleine Polemik gegen diejenigen loslassen, die heute allen ernstes noch glauben, der Marxismus hätte irgendeinen Wert zur Analyse heutiger Politik:
Marxismus gehört in die Mottenkiste der Geschichte. Er hat keinerlei Wert mehr heute, da sich seine Grundannahmen allesamt als falsch erwiesen haben.
Erstens: Es gibt heute keinen Klassenkampf mehr. Das liegt daran, dass es keine Klassen mehr gibt und schon gar kein Klassenbewusstsein. Soziologen sprechen heute von "Schichten", vor allem deswegen, weil anders als bei den Klassen des 19. Jahrhunderts eine sehr hohe Durchlässigkeit der Schichtgrenzen gegeben ist. Mit anderen Worten: Anders als ein Arbeiter im 19. Jahrhundert kann man heutzutage sehr leicht in eine andere Schicht auf-, ab- oder hinübersteigen. Man muss sich nur in die Hände spucken und was leisten. Daher erübrigt sich Klassenkampf.
Zweitens ist die Sozialstruktur völlig anders als im 19. Jahrhundert. Damals gab es eine Einkommenspyramide, mit wenigen Reichen ganz oben und einer sehr breiten Basis von Armen unten. Heute haben wir eine Mittelstandsgesellschaft, d.h. es gibt keine Einkommenspyramide mehr, sondern es ist ein "Ei" mit einer breiten Mitte und nur wenigen oben und unten. Und das hat ausschließlich der Kapitalismus herbeigeführt, der eben doch Wohlstand für alle ermöglicht. Im Sozialismus kann man nur Armut "gerecht" verteilen, aber keinen Wohlstand.
Drittens hat sich der dialektische historische Materialismus als Irrtum erwiesen. Selbst schwere Krisen im kapitalistischen System in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben nicht zu einer kommunistischen Revolution in den entwickelten Gesellschaften geführt. Die dogmatische Annahme, das Sein bestimme das Bewusstsein ist als schlichter Blödsinn erwiesen. Der "Überbau" ist, wie sogar schon Gramsci in den 20ern festgestellt hatte, weitaus bedeutender und oft genug bestimmt das Bewusstsein eben doch das Sein. Es gibt eben doch einen freien Willen und persönliche Verantwortung.
Gibt es heute noch Armut? Nein. Jedenfalls nicht wie im 19. Jahrhundert, schon gar nicht für eine breite Masse oder gar klasse. Wirklich arm sind nur Obdachlose, die aber allesamt ausschließlich Leute sind, die wegen Alkohol- oder Drogenproblemen es nichtmal packen, Sozialhilfe zu beantragen. In Berlin wird ihre Anzahl auf ca. 500 geschätzt, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 3,5 millionen. In diesem Zusammenhang von einer "Klasse" zu sprechen, ist einfach nur lachhaft.
Und die, die wegen der relativen Definition für "arm" erklärt werden (also weniger als 50% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben), sind im historischen Vergleich steinreich. Selbst ein Hartz-IV-Empfänger hat für gewöhnlich nicht nur ein sicheres Dach über dem Kopf, fließend Strom und Wasser, sondern auch genug zu essen, Küchengeräte, Fernsehen, Handy, meist auch Internet, sowie eine Monatskarte für öffentliche Nahverkehrsmittel. Manche leisten sich sogar ein Auto. All diese Luxusartikel gehören zur Minimalausstattung und dürfen nicht gepfändet werden. Soviel zur "Armut" in Deutschland.
Damit will ich nicht sagen, dass soziale Gerechtigkeit kein Thema wäre. Es ist legitim und angebracht, sich über gerechte Verteilung des Wohlstands Gedanken zu machen. Nur kommt man dabei nicht weiter, wenn man auf marxistisches Vokabular und Konzepte des 19. Jahrhunderts zurückgreift, die heute schlicht keinerlei Sinn mehr machen.
Wer heute noch meint, die Welt durch eine marxistische Brille betrachten zu müssen, hat schlicht keine Ahnung von nichts. Er bezeugt, dass er weder von Geschichte eine Ahnung hat, noch von Grunderkenntnissen der Soziologie. Wer sich heute noch einen Marxisten nennt, ist im besten Falle eine Witzfigur.
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Es lebe die Deutsche Republik!
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