Ich kann mich nicht erinnern, dass es da jemals ein Votum gegeben hätte. Das ist ein völlig anders gelagerter Fall als die von dir geschilderten Ex-Sowjetrepubliken oder der Tschechoslowakei (in diesen Fällen geb ich dir durchaus recht. Die Loslösung der Slowakei etwa war eine einvernehmliche Lösung beider Parteien.). Hier aber muss man sich das aber mal vor Augen halten: Man führt einen völkerrechtswidrigen Krieg, lässt sich den hinterher genehmigen, errichtet ein NATO-Protektorat, das man wohl für die nächsten 30 Jahre kaum loswerden wird und das man finanzieren muss, weil die einzigen wirtschaftlichen Standbeine ausschließlich in Sparten bestehen, die in eben diesen NATO-Ländern geächtet sind. Und dann, ja dann, geht man los und entlässt dieses Land in die Unabhängigkeit.
Aber mal ohne Polemik: Das ganze ist eine Retourkutsche der NATO, nichts anderes. Es gab Verhandlungen zwischen EU, USA, Russland und den betroffenen Parteien und es gab den favorisierten Aahtisari-Plan, der eine bedingte Souveränität vorsah. Aber die Serben wollten die Autonomie, die Kosovaren wollten auch alles, die Russen waren gegen den Plan und so hat man mal schnell die Unabhängigkeit gebastelt...
Nach dem gesamten Ablauf darf man konstatieren, dass das Völkerrecht darin verletzt wurde, indem man erstens gesetzeswidrig einen souveränen Staat angegriffen hat (die damaligen Vorgänge mal beiseite lassend, u.a. auch, weil der einen Vertreibung die andere Vertreibung folgte) und zweitens die Grenze dieses souveränen Staats "versetzt" wurde und damit die territoriale Unversehrtheit verletzt wurde.
Allein mit dem Angriff auf Serbien -damals Jugoslawien- übrigens hat die NATO ihre eigenen Grundsätze mißachtet. Diese hätte sie nämlich gezwungen, sich an Nicht-NATO-Auseinandersetzungen keine Partei zu ergreifen (was sie eindeutig tat) und sich gleichzeitig an die UN-Charta zu halten (was sie ebenso eindeutig nicht tat, bzw. sich eine Legitimation hinterher einholte)
Übrigens besteht das Kosovo nicht ausschließlich aus unabhängigkeitsbesoffenen Ex-UCKlern-Neumafiosis. Es gibt dort auch einen Haufen Leute (Albaner!), die nicht so richtig begeistert über die Entwicklung sind, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Es besteht die Möglichkeit einer Abspaltung des Nordens und dann haben wir wohl endgültig bosnische Verhältnisse.
Eine einseitige Sezession wird in folgenden Fällen anerkannt:
- Dekolonisation (und davon kann man im Falle Kosovo wahrlich nicht sprechen, das betrifft vielleicht Irian Jaya oder Westsahara) oder
- schwere Menschenrechtsverletzungen/ Gesetzlosigkeit
Zweiter Punkt: Ja, das hat es definitiv und wirklich gegeben im Kosovo. Gar keine Frage. Heute aber kann man davon nicht mehr sprechen, zumindest sind heutzutage die albanischen Kosovaren nicht mehr die Opfer. Eine serbische Verfassungänderung erkannte dem Kosovo ausdrücklich weitreichenden Autonomiestatus zu.
(Ferner, aber nur nebenbei: Wenn man sich mal an die "Staatsdefinition" macht in Sachen Kosovo...
Staatsgebiet? Definitiv
Staatsvolk? Definitiv
Staatsgewalt? Äääähm, nope.....NATO, UN, EU!)
Es wird zudem noch ganz andere dazu animieren, diesem Beispiel zu folgen. Der Republik Srpska in Bosnien beispielsweise (womit Bosnien-Herzegovina wohl endgültig seine territoriale Integrität verloren hätte), oder Transnistrien in Moldawien (wo dies bereits de facto so gehandhabt wird). Nordzypern wäre das nächste Beispiel (Nordzypern wird bisher ausschließlich seitens der Türkei anerkannt. Wenn wir nun losziehen und das alle mal schnell anerkennen, machte man jeden Annäherungsprozess kaputt) und gerade im Fall Nordzypern hat die EU mit Hinweis auf das Völkerrecht die einseitige Sezession nicht anerkannt, ein Schelm, wer Böses.....
Und dann gibt es da ja noch die Basken, die Korsen, die ungarische Minderheit in Rumänien undundund...
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He whose face gives no light, shall never become a star
William Blake
Geändert von New Model Army (27. Feb 2008 um 13:13 Uhr Uhr).
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