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Alt 30. Mär 2009, 18:39 Uhr   #213 (Permalink)
Hydarnes_VI
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Zitat von JansSammerlath Beitrag anzeigen
Es gibt Sachen von denen ich Ahnung habe und da habe ich auch keine Scheu das zu zeigen. information aus zeitung lesen ist und bleibt oberflächlich informiert, das liegt in der natur der Sache.
Wenn Du Lust hast kommentier bitte kurz die folgenden sitesalso Qualität und Unabhängigkeit)
CASMII - Deutsch | Campaign Against Sanctions and Military Intervention in Iran
Iran-Now Network - Magazin
انتصار الثورة - Sieg der Revolution


Da aus dem iran vor den Mullahs hauptsächlich gebildeter Mittelstand geflohen ist, ist ein Gespräch mit einem persischen Gemüsehändler über den Iran ergiebiger als ein Gespräch mit einem türkischen Gemüsehändler über die Türkei.

Dann kommentier mal aus deiner Sicht mein zusammenzählen:

- es gibt eine tradierte ,historische persische-arabische Antipathie/Rivalität(Feindschaft ist evtl. übertrieben). Verstärkt evtl. noch durch Sunna/Schia.
Ein vergleichbares Verhältnis Juden/Perser gibt es nicht.

- die Entwicklung der letzten 30 jahre -zerfall der SU, Afghanistans und des Iraks hat die Machtstellung des Irans gestärkt und wenn auch das land an dieser Entwicklung nicht ursächlich beteiligt war so tut es jetzt doch sein möglichstes diese Instabilität in den nachbarregionen zu erhalten um die eigene Stellung zu stärken.

-selber territorial expansiv wird der Iran nicht. Das Gefühl eigener zivilisatorischer und kultureller Überlegenheit bremst den Wunsch mit "Barbaren " unter einem Staatsdach zu leben. Ähnlich dem historischen China, dass trotz seiner Möglichkeiten niemals imperialistisch war.

- für einen islamischen perser(egal ob Politiker oder Bürger) hat das Thema Antisemitismus/Shoa genausoviel Bedeutung als Meinungs- und Handlungsgrundlage wie für uns der Streit zwischen Sunna und Shia. Nämlich gar keinen. Wird nur dann von Interesse wenn es instrumentalisiert werden kann(deshalb meine Wortwahl "Krawallrhetorik" für Ahmindedschad)

- aus der Tatsache, dass der Israelkonflikt sich anscheinend nie einem friedlichen Ende zuneigt andererseits aber auch auf wundersame Weise immer lokal begrenzt bleibt und eben nicht zm Flächenbrand wird, bleibt für mich nur die Schlussfolgerung , dass es sich um einen Stellvertreterkrieg handelt der nur auf einer bestimmten Stufe am Köcheln gehalten wird(früher hätten ausser Teheran und Washington zu den Strippenziehern für mich noch Moskau gehört, wie Russland da heute einzuschätzen ist , vermag ich nicht zu sagen)

- das Verhältnis USA-Iran ist nicht so eindeutig wie es uns erscheint. Z.B. das gemeinsame Interesse an einer schwachen , uneinigen arabischen Welt führt auch zu paradox erscheinenden übereinstimmungen.


ich hätte vor 15 oder 20 Jahren nicht anders geschrieben.
Wer so in den 70ern und 80ern in Westdeutschland zu Schule gegangen und gross geworden ist, argumentiert in solchen Diskusionen nicht mehr in nationalen oder hegemonialen kategorien sondern mehr ideologielastig, heute abgelöst durch Betonung religiöser oder kultureller Kategorien. Metaebene statt popeliger Detailbetrachtung. Marx statt Macchiavelli.
kontakt mit britischer Geschichtsschreibung und Betrachtungsweise hilft da Wunder, die sehen immer nur den menschen , nie die ideologie oder die Religion. Auch wenn ich oft genug den angelsächsichen pragmatismus verfluche , muss ich da eine gewisse überlegenheit anerkennen.

En detail muss man natürlich auch sagen , dass manche kategorien für uns nur mit einem "Schritt zurück" zu begreifen sind.Eine "ewige Feindschaft"(wie zwischen Persern und Arabern)mit dem welschen Erbfeind hatten wir auch mal. Auch wenn es hier zwei Urkatastrophen gebraucht hat um das in die Schlucht des Vegessens zu befördern, sind wir natürlich froh(und etwas überheblich), dass wir sowas nicht mehr mit uns rumtragen.Der prozess der Europäischen Einigung(aber auch die Existenz in einem Block des kalten Krieges) hat uns in unserem Bewusstsein eben auch schon vom Denken in nationalstaatlichen Kategorien entfernt.

wie gesagt, Persien oder heute Iran haben sich seit .... wie lange?...... nicht aussenpolitisch militaristisch oder expansiv verhalten. und vor allem die erste aller Fragen wie immer : cui bono?


ich hege so langsam die Befürchtung , dass mensch ein Feindbild braucht. Das nach dem Zusammenbruch des Ostblocks der "clash of cultures "sozusagen mit Ankündigung über die Welt kam, hat etwas seltsam zwanghaftes. selfilling prophecy


naja.
Die Frage ists ja wohin die Reise geht.
Die dem iran nützliche Instabilität in den nachbarregionen ist ja kein ewig duldbarer zustand. Wird sich Teheran mit einem - zugegebenermassen sehr unwahrscheinlichen- Kurdenstaat oder- protektorat- im Nordirak abfinden?
Wird der zerfall des iraks - der ja nun wahrhaftig kein historisch gewachsenes Staatsgebilde ist- z.B. zur Folge haben, dass im Südirak eine schiitische Teilrepublik von Teherans Gnaden entsteht?Was ergibt sich aus der nachbarschaft zur Atommacht pakistan(und Indien) und im Zusammenhang damit natürlich die Lage in Afghanistan, wo die jeweils ethnisch verwandten warlords unterstützt werden und das Entstehen eines funktionierenden Staates mit verhindert wird.
Und innenpolitisch? kann ich als Westeuropäer erstmal nur eine Frage stellen. Wann und wie wird die Abkehr vom Gottesstaat zum säkularen erfolgen? Friedlich oder gewaltsam?
Danke, für die wieder sehr sachliche Replik.
Ich werde beizeiten darauf zurückkommen.
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"NIVEAU ist keine Gesichtscreme!"


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