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Alt 09. Aug 2008, 18:37 Uhr   #94 (Permalink)
Gaucho
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Zitat von johannes Beitrag anzeigen
Dann werde ich Dir einmal zum Thema organisierter Atheismus ein wenig Nachhilfe geben.
Das ist kein organisierter Atheismus wie die Kirchen. Den Unterschied müßtest Du doch wirklich sehen. Es sind Vereine, die alle Privilegien von normalen Vereinen genießen, aber nicht die von Kirchen. Oder wird von denen jemand in eine Ethik-Kommission berufen? Ziehen sie Steuern ein? Können sie mit einem deutschen Bundesland ein Konkordat abschließen? Natürlich tun sich einige der Leute, die sich vom kulturhistorisch gewachsenen, immer noch starken Einfluss der Kirchen bedrängt fühlen und an die Lehren dieser Kirchen nicht glauben, in dieser oder jener Gesellschaft zusammen, aber Du wirst doch wohl nicht behaupten wollen, dass z. B. eine Gesellschaft, die sich dem Humanismus nach dem Grundgesetz verpflichtet fühlt, organisierter Atheismus als eine Art Gegenkirche darstellt.
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Zitat von johannes
Hitler selbst faselte "von Vorsehung", war deswegen aber alles andere als religiös -- er wollte mit diesen Aussagen seinen Machtanspruch unterstreichen.
Darin unterscheidet er sich nicht von Bush und allen Königen und Kaisern des Abend- und Morgenlandes, die ihr Recht, zu herrschen, immer von Gott ableiteten (die CSU tut es heute noch). Erstaunlich nur, dass es in den vergangenen 2000 Jahren und länger nicht gelungen ist, die "Untertanen" davon zu überzeugen, dass das Humbug ist. Daran sieht man schon, dass die Atheisten nicht organisiert sind sondern dass sie sich in all der Zeit mit staunendem Unverständnis begnügt haben.
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Zitat von johannes
Stalins Personenkult ist nur eine logische Fortsetzung der Ideen einer Partei die sich als "Avantgarde des Proletariats" verstand und in deren Rezeptbüchern die Idee der "Diktatur des Proletariats" verankert war -- auch wenn diese Idee von Lenin stammt. Und wenn eine Partei den Fortschritt für sich gepachtet hat, dann ist es doch nur berechtigt alle real existenten oder auch nur eingebildeten Feinde dieses "Fortschritts" über die Klinge springen zu lassen? Als die 68er auf die Strasse gingen hatten sie sehr gerne die sogenannnte Mao-Bibel dabei -- zu diesem Zeitpunkt war dieser Mann schon ein Millionenfacher Mörder -- was macht es schon. Er ist ja ein Vertreter des Fortschritts und damit einer von den "Guten".
Dies ist ein netter Ausflug in die Geschichte und zeigt, dass Du viel gelesen hast, es hat aber mit dem Thema nichts zu tun. Aber das wieder:
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Zitat von johannes
Aber all das ist kein Religiöses Problem, sondern sind Ausdruck einer einfachen Erkenntnis: "Macht korrumpiert und grenzenlose Macht korrumpiert auch grenzenlos". Und Macht ist immer eine politische Größe. Und wenn Religion dem Machterhalt eines Dikators dient, dann ist sie ihm Recht -- selbst wenn er dieser Religion nicht folgen sollte.
Damit sagts Du genau, was ich sage, nur erweitere ich um die Macht der Kirchen, die ihre Macht ebenfalls mißbraucht haben und noch mißbrauchen. Denn die Kirchen selbst sind eine politische Größe und haben mit einem eventuellen Gott überhaupt nichts zu tun.
Zitat:
Zitat von johannes
Was ein gottgefälliges Leben ist oder nicht, das bestimmt Gott allein. Abgerechnet wird zum Schluß und nicht von irgendeinen Politiker.
Sehr richtig. Wenn es Gott gibt. Aber auch dann wird nicht von der Kirche und den Kirchenlehrern abgerechnet. (Wie will ein Mensch übrigens wissen, was Gott für ein ihm gefälliges Leben hält? Und komm mir ja nicht mit der Bibel.)
Es wäre schon viel gewonnen, wenn Du Dich dazu verstehen könntest, auch in den Kirchen eine Art politische Partei zu sehen, denn das sind sie. Sie sind darauf aus, ihr Programm in Gesetze zu gießen und ihre weltliche Macht zu erweitern, indem sie behaupten, geistliche Macht zu besitzen.
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Zitat von johannes
Ich mag Bush auch nicht besonders und bin froh wenn dieser Mensch seine Memoiren schreibt. In dieser Hinsicht sind wir sogar einer Meinung. Doch Bush ist kein Religionsführer sondern Präsident der Vereinigten Staaten. In diesem Land haben auf Grund ihrer großen Masse religiöse Menschen einen großen Einfluß auf das Wahlergebnis und somit auf die Machtfrage. Ob und was Bush glaubt weiß Gott allein -- seinem Machterhalt waren seine religiösen Anwandlungen dienlich.
Aber genau das ist es doch. Da glauben viele Leute gemeinsam an einen unbewiesenen und unbeweisbaren Gott, aber immerhin, sie glauben daran, und einer, der Macht will, redet ihnen ein, dieser Gott wolle, dass er die Macht hat. Er sagt sogar, er redete mit diesem Gott ständig! Das ist es, was ich mit "Boden bereiten" gemeint habe.

Bitte versuche einmal ernsthaft, Dich in die Schuhe eines Menschen zu stellen, der es zwar äußerstenfalls für möglich hält, dass es eine das All antreibende Kraft gibt, aber die Vorstellung eines "persönlichen Gottes", der zu den Menschen spricht, ihnen Handlungen abverlangt, sie wertet, ihnen hilft oder sie straft, für absurd, ja, geradezu blasphemisch hält. Kannst Du Dir dann nicht auch vorstellen, dass die Kirchen und ihre Anhänger für ihn eine unerträgliche Zumutung sind? Diese Zumutung erträgt man nur, weil man von Kindheit an daran gewöhnt ist, sie ist aber letztlich beleidigend.
Was der Deutsche Jäger unter seinen posts stehen hat, das gefällt mir wirklich. Denn so ist es.
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